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Entscheidungen:Im Supermarkt der Möglichkeiten

Obst und Gemüse

Äpfel oder Orangen? Oder beides? Auch im Supermarkt muss man sich entscheiden.

(Foto: dpa)
  • 20 000 Entscheidungen sollen Menschen jeden Tag treffen, sagen Wissenschaftler.
  • Wie wir diese treffen - damit beschäftigt sich eine Ausstellung im Museum der Arbeit in Hamburg.
  • In der Ausstellung kommen auch prominente Menschen zu Wort. Ein Fußball-Schiedsrichter zum Beispiel, oder ein Herzchirurg.

"Es sind unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind", hat Joanne K. Rowling mal geschrieben. Rowling kennt sich mit guten Entscheidungen aus, immerhin ist sie als Autorin der Harry-Potter-Bücher zu einer der reichsten Frauen der Welt geworden.

20 000 Entscheidungen sollen Menschen jeden Tag treffen, sagen Wissenschaftler. Das beginnt bei den Banalitäten des Alltags: Aufstehen oder liegen bleiben? Müsli oder Brötchen? Dem Bus hinterher laufen oder lieber zu spät kommen? Und es beinhaltet manchmal Entscheidungen von größerer Tragweite, im Privaten und im Beruflichen. Eine Entscheidung kann das eigene Leben und das anderer Menschen für immer positiv oder negativ verändern. Entscheidungsfreude gilt als unablässige Voraussetzung für Führungskräfte. Bloß: Wie treffen Menschen Entscheidungen?

Entscheidungen - "Supermarkt der Möglichkeiten"

Mit dieser Frage beschäftigt sich eine Ausstellung im Museum der Arbeit in Hamburg, die bis Ende Januar zu sehen ist. Als "Supermarkt der Möglichkeiten" betitelt die Ausstellung das Leben der heutigen Zeit - und dokumentiert den komplexen Zusammenhang zwischen Entscheidungsvielfalt und dem subjektiven Zufriedenheitsempfinden. Anschaulich wird das zum Beispiel beim sogenannten "Pralinen-Experiment": Menschen, die sich aus 30 verschiedenen Pralinen eine aussuchen durften, waren bei einer Untersuchung am Ende mit ihrer Wahl unzufriedener als jene, die nur aus sechs Stück wählen konnten. Die Vielzahl der Möglichkeiten gab der ersten Gruppe immer das Gefühl, die falsche Entscheidung getroffen zu haben. Unzufriedener waren nur die, die gar nicht entscheiden durften, sondern schlicht eine Praline vorgesetzt bekamen.

Ist es das, was Menschen möchten: Ein bisschen Freiheit, aber nicht zu viel?

In der Ausstellung kommen auch prominente Menschen zu Wort. Ein Fußball-Schiedsrichter zum Beispiel, oder ein Herzchirurg. Der SPD-Politiker Henning Scherf berichtet aus seinem früheren Arbeitsalltag: "Sie werden ja zur Unzeit um Entscheidungen gebeten." Das sei "unglaublich nervenaufreibend". Oswald Grübel, ehemaliger Chef der Schweizer Großbank UBS, sagt, wer Angst habe, entscheide nicht. "Und wenn niemand entscheidet, geht es nicht vorwärts."

Grund Nummer eins für den Jobwechsel: Wunsch nach vielfältigerer Aufgabe

Auch der Entscheidungsprozess von jungen Menschen, die vor der Frage stehen, wie ihr künftiges Berufsleben aussehen soll, wird thematisiert, ebenso berichten Menschen, wie und warum sie sich für die Ehe, die Scheidung oder ein Leben als Pick-up-Artist, also als professioneller Frauen-Aufreißer entschieden haben. Ebenfalls spannend: Gründe, warum Menschen darüber nachdenken, ihren Job zu kündigen - und warum sie es schlussendlich wirklich machen. So stehen schlechtes Betriebsklima und zu geringe Bezahlung auf den ersten beiden Plätzen, wenn es darum geht, eine Kündigung in Betracht zu ziehen. Bei all jenen, die sich zu diesem Schritt entschlossen haben, liegt aber ein anderes Motiv auf Platz eins: Der Wunsch nach einer vielfältigeren Aufgabe. Oder, anders ausgedrückt, der alte Job hat sie gelangweilt.

Der "Supermarkt der Möglichkeiten", der das Leben in der westlichen Welt prägt, erschließt sich allerdings nur jenen, die im richtigen Teil der Erde geboren wurden - und vielleicht auch mit dem richtigen Geschlecht. Die Wahrscheinlichkeit, lesen und schreiben zu lernen, sei für ein pakistanisches Kind nur halb so groß wie für ein deutsches, sagt die Uno. Manche Weichen im Leben stellen die Umstände.

Besucher erfahren im Hamburger Museum der Arbeit aber nicht nur etwas über die Entscheidungsprozesse der Anderen: An fünf interaktiven Stationen können Fragen beantwortet werden, am Ende bekommt man eine Auswertung der eigenen Entscheidungsgewohnheiten - und Tipps für bessere Entscheidungen. Ob einer davon so reich macht, wie Joanne K. Rowling es jetzt schon ist?

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