Computerspiele Aggression, wie misst man das?

Denn wie lässt sich Aggression im Labor messen? Die Probanden gehen ja nicht automatisch mit dem Messer auf den Experimentator los, wenn sie zuvor am Rechner einige Stunden geballert haben. Wissenschaftler müssen Umwege gehen und bei jedem einzelnen dieser indirekten Kniffe ist die Frage berechtigt, welche Aussagen er zulässt. In Experimenten untersuchen Psychologen etwa, ob Computerspieler nach einer Gewaltorgie am Rechner anderen eher Schmerzen zufügen - mit hohen Tönen oder zum Beispiel indem sie scharfe Chilisauce ins Getränk anderer kippen. Lautstärke oder Schärfegrad könnten Aggressionen quantifizierbar machen, andererseits wirkt das Setting auch artifiziell.

Andere Möglichkeiten sind Korrelationsstudien, in denen über lange Zeiträume etwa delinquentes Verhalten und die Zeit in Zusammenhang gebracht werden, die mit gewaltsamen Computerspielen verbracht wird. Dabei taucht jedoch die Frage auf: Wenn jemand aggressiv auffällt, liegt das an solchen Spielen? Oder haben aggressive Typen eher einen Hang zum Egoshooten? Kurz, auch solche Studien lassen sich kritisieren. Genauso wie Untersuchungen, bei denen die Probanden zur Introspektion angehalten werden, bei denen sie ihr Verhalten etwa in fiktiven Situationen selbst einschätzen sollen. Wie ehrlich fallen solche Antworten aus? Wie gesagt, jedes Studiendesign hat seine Schwächen - und so bekommen Gegner und Freunde von Computerspielen stets frische Munition, um ihren Standpunkt weiter zu verteidigen und sich hinter ihren Haltungen zu verschanzen.

Kriegerische Spiele dominieren

Wissenschaftlich sollte der Fall abgeschlossen sein. Greitemeyer unterfüttert nun aber einen bislang weniger beachteten Aspekt mit einem Datenfundament: Die Spiele verfügen auch über potenzielle positive Effekte. Prosoziale Spiele fördern erwünschtes Verhalten im Vergleich zu neutralen Spielen eher und senken Aggressionen. Wissenschaftlich mag das eine seriöse Erkenntnis sein, doch für die Praxis ist das wahrscheinlich wenig relevant. Es besteht eben das Problem, dass die meisten Spiele mit zu befürwortender Wirkung irre fad und schlecht gemacht sind. Grafisch schmieren solche Produktionen gegen Gangster-Epen wie die Grand-Theft-Auto-Serie oder Ego-Shooter-Klassiker wie Counterstrike ab. Das große Geld wandert in die Entwicklung kriegerischer Spiele - Panzergefechte, Häuserschlachten, das ganze Programm. Warum ist das so?

Man könnte genauso gut fragen, warum das große Popcorn-Kino eine solche Obsession für Gewaltorgien und Rachephantasien hat. Solche Inhalte verkaufen sich eben, das Publikum mag solche Filme - und ist andersherum an solche Inhalte gewöhnt, weil sie eben produziert werden.

"The Art of Video Games"

Computerspiele-Ausstellung in Bildern