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Schadstoffe:Chinas Industrie produziert Ozonkiller

Ozonschicht

Das Ozonloch über der Arktis im Winter 1999/2000. Je dunkler das Blau, desto dünner die Ozonschicht.

(Foto: Nasa/dpa)
  • Vor einem Jahr wurde bekannt, dass die Konzentration des Ozonkillers Trichlorfluormethan in der Atmosphäre langsamer sinkt, als zu erwarten wäre.
  • Jetzt zeigt eine Untersuchung: Die Emissionen stammen vermutlich zum größten Teil aus einer Region im Nordosten Chinas.
  • Wegen des illegalen Einsatzes wird es wahrscheinlich länger dauern, bis sich der durchlöcherte Ozonschutzschild der Erde wieder erholt.

Es passiert selten, dass Forscher per Zufall einem Umweltskandal auf die Spur kommen, der die gesamte Welt betrifft. Vor ziemlich genau einem Jahr geschah jedoch genau das. Während einer Routinemessung war der Chemiker Stephen Montzka von der amerikanischen NOAA-Behörde in Boulder, Colorado, auf weit größere Mengen des Ozonkillers Trichlorfluormethan in der Atmosphäre gestoßen, als er und sein Team erwartet hatten.

Jetzt hat eine weitere Forschergruppe den Ursprung der Chemikalie aufgespürt, die den Ozonschutzschild der Erde zerstört. Im Wissenschaftsjournal Nature schreibt die Gruppe um den Chemiker Sunyoung Park von der Kyungpook National University in Südkorea, dass mindestens 40 bis 60 Prozent der Trichlorfluormethan-Emissionen aus einer Region im Nordosten Chinas stammen - genauer wahrscheinlich aus den Provinzen Shandong und Hebei.

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Es könne sogar sein, dass der Prozentsatz noch höher liegt, sagt Park. Das Sensornetzwerk, das er und seine Kollegen verwendeten, umspannt nicht die ganze Welt. Anhand von Messdaten aus Südkorea und Japan sowie einem Computermodell, das den Transport von Chemikalien in der Atmosphäre simuliert, konnten die Forscher die Quelle eingrenzen.

Wegen der Gase in China schließt sich das Ozonloch wesentlich langsamer als erhofft

Trichlorfluormethan gehört zu den Fluorchlorkohlenwasserstoffen, bekannter als FCKW, die früher als Kühl- oder Treibmittel eingesetzt wurden, bis in den 1980er-Jahren klar wurde, dass diese Gase das Ozon in den hohen Schichten der Erdatmosphäre zersetzen und damit den natürlichen Schutzschild der Erde, der Pflanzen, Menschen und Tiere vor zu viel UV-Licht von der Sonne bewahrt, durchlöchern.

Weil sich die FCKW in der Atmosphäre nur über Jahrzehnte abbauen, schließt sich das Ozonloch sehr langsam. Seitdem diese Stoffe durch das Montreal-Protokoll 1987 verboten wurden, hat sich die Ozonschicht zwar wieder erholt und sollte sich gemäß älterer Hochrechnungen bis zum Jahr 2070 wieder vollständig regenerieren. Doch wegen der Emissionen aus China schließt sich das Loch nun deutlich langsamer.

Park und seine Kollegen schätzen, dass die Mengen, die zwischen 2014 und 2017 in Ostchina freigesetzt wurden, pro Jahr 7000 Tonnen höher liegen als im Vergleichszeitraum von 2008 bis 2012. Die Messkurve, die den Trichlorfluormethan-Gehalt in der Atmosphäre über die Jahre anzeigt, fällt seit Mitte der 1990er-Jahre wie mit dem Lineal gezogen ab, doch um das Jahr 2012 herum hat sie einen Knick, seither sinkt die Konzentration langsamer als im Zeitraum davor.

Jetzt glauben die Forscher, die Ursache für diesen Knick gefunden zu haben. Er sei "wahrscheinlich" das Resultat neuer Produktion in China. Die Wissenschaftler glauben nicht, dass die Substanz aus alten Produkten ausgast, sondern vermuten, dass sie bei der Herstellung von Schaumstoffen illegal eingesetzt werde und dabei in die Atmosphäre gelange. Das deckt sich mit einem Bericht der New York Times aus vergangenem Sommer. Reporter der Zeitung hatten damals mit unabhängigen Ermittlern in der Küstenprovinz Shandong eine Reihe kleinerer Unternehmen entdeckt, die mit der verbotenen Substanz Kunststoffe aufschäumen.

Chinesische Behörden hätten bereits einige dieser Firmen geschlossen, sagt Luke Western von der University of Bristol, der an der aktuellen Studie beteiligt war. "Wir hoffen, dass unsere Daten den Behörden helfen, gegen Unternehmen vorzugehen, die gegen das Montreal-Protokoll verstoßen", sagt der Chemiker. Ob sich diese Erfolge bereits messen lassen, prüfen Park und seine Kollegen gerade. "Wir analysieren gerade die Messdaten aus dem Jahr 2018."

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