bedeckt München 25°

Bruce McCandless:Ikone der Raumfahrt ist tot

Das Bild ist zu einer Ikone der Raumfahrt geworden. Der Astronaut hinter dem verspiegelten Visier ist jetzt im Alter von 80 Jahren gestorben.

(Foto: AP)

Die meisten werden Bruce McCandless nur von diesem einen Bild kennen: Frei schwebend im Weltraum, im Hintergrund die blaue Erde. Jetzt ist er mit 80 Jahren gestorben.

Sein Name mag unbekannt sein: Bruce McCandless. Beruf: Nasa-Astronaut. Aber ein Bild des US-Amerikaners ist weltberühmt: Bruce McCandless im Raumanzug, völlig frei im All schwebend, hinter ihm der tiefschwarze Raum. Und die leuchtend blaue Erde.

Das Bild hat McCandless, der am Donnerstag im Alter von 80 Jahren starb, zu einer Ikone der Raumfahrt gemacht. Es galt als der sichtbare und eindrucksvolle Beweis für die scheinbar grenzenlosen Möglichkeiten des Weltraums. Und es war, als es am 7. Februar 1984 entstand, eine unfassbare Verheißung. Die Himmel war von jetzt an nicht mehr die Grenze. Im Jahr davor war der dritte Teil der "Star Wars"-Reihe in die Kinos gekommen. Und jetzt endlich konnten Menschen das, was in den Science-Fiction-Filmen schon lange möglich war: sich frei im All bewegen. Und Bruce McCandless war der erste Mensch, der das getan hat.

Der unangeseilte Weltraumspaziergang, wie das Manöver leicht simplifiziert genannt wird, war dank eines speziellen Jetpacks möglich geworden. Eine Art Rucksack, der, mit allerlei Düsen und Sauerstofftanks ausgestattet, den Astronauten dorthin schweben lassen konnte, wohin er wollte. Und ohne auf die Crew an Bord des Raumschiffs Challenger angewiesen zu sein, von wo aus er damals losspazierte. Die Challenger ist übrigens zwei Jahre später am 28. Januar 1986 genau 73 Sekunden nach dem Start explodiert.

Bruce McCandless auf einem Bild aus dem Jahr 1982. Er starb am 21. Dezember 2017.

(Foto: AP)

Bruce McCandless war ein erfahrener Mann, als er auf seine erste Mission ging. Der frühere Navy-Captain ist 1966 zum Astronauten ausgebildet worden. Er hatte 1969 die Apollo-11-Mission vom Boden aus mitgesteuert, in der Neil Armstrong und Buzz Aldrin ihre Füße als erste Menschen auf den Mond setzten. Er war Teil der Unterstützungscrew für die Apollo 14 Mission. Und Ersatz-Pilot für das erste bemannte Weltraumlabor.

Aber erst 1984 war er selbst an der Reihe. Und hatte seinen größten Moment, als er die Schleuse der Challenger ohne Sicherungsseil verlassen konnte. Auf seiner zweiten und letzten Space-Shuttle-Mission 1990 half er, das Hubble-Teleskop im All zu platzieren.

Ein verdammt großer Sprung

Über seinen kleinen Ausflug ins All sagte er einmal: "Ich wollte etwas Ähnliches sagen wie Neil Armstrong, als er auf dem Mond gelandet ist. Also sagte ich: 'Es mag ein kleiner Schritt für Neil gewesen sein. Aber es war ein wirklich verdammt großer Sprung für mich!'" Armstrong hat ihm später gesagt, McCandless habe da oben für einen Moment "die Menschheit repräsentiert".

Das passt. Auf dem Bild ist McCandless nicht zu erkennen. Die Sonne scheint ihm direkt ins Gesicht. Darum musste er das verspiegelte Visier herunterklappen. Jeder, der will, kann sich in diesem Raumanzug sehen. Von dieser Wirkung hat das Bild bis heute nichts verloren. Geschossen wiurde das Foto übrigens vom damaligen Piloten der Mission, Robert Lee Gibson. Inzwischen 71 Jahre alt war das seine erste von insgesamt fünf Space-Shuttle-Missionen.

McCandless wurde am 8. Juni 1937 in Boston geboren. Er ging zur Navy und ließ sich dort bis 1958 zum Elektroingenieur ausbilden. Es war die Zeit des großen Wettrennens um die Vorherrschaft im Weltraum zwischen der damaligen Sowjetunion und den USA. Die Russen schickten am 4. Oktober 1957 mit Sputnik 1 den ersten Satelliten ins All. Und kaum einen Monat später schossen sie die Hündin Laika als erstes Säugetier in den Weltraum. Am 12. April 1961 hatten sie mit Juri Gagarin den ersten Menschen im Weltraum.

Astronomie und Raumfahrt Russland und die USA planen gemeinsame Raumstation im Mond-Orbit
Weltraum

Russland und die USA planen gemeinsame Raumstation im Mond-Orbit

Unter Federführung der Nasa wollen beide Staaten den Weltraum erforschen. Viele Details sind allerdings noch offen.

Die Amerikaner waren düpiert. Als drei Wochen später Alan Shepard als erster US-Bürger ins All befördert wurde, war das zwar eine Sensation. Aber Shepard war eben nur zweiter. Den Wettlauf letztlich gewonnen hatten die Amerikaner erst mit der Apollo-11-Mision und der geglückten Mondlandung 1969. Drei Jahre zuvor stieg McCandless in die Raumfahrt ein.

Gut sechs Stunden hat sein Trip ins All damals gedauert. McCandless haben die Füße gezittert, so kalt ist ihm da draußen geworden. Aber, "es war ein wunderbares Gefühl", sagte er vor zwei Jahren in einem Interview mit dem britischen Guardian. "Ein Mix aus freudiger Erregung und professionellem Stolz. Es hat viele Jahre gedauert, um an diesen Punkt zu kommen. Viele Leute waren skeptisch, ob es funktionieren würde." Aber es funktionierte. Und das lag auch an McCandless.

Den Düsen-Rucksack, mit dem er den Spaziergang ins All unternahm, hat McCandless selbst mitentwickelt. Er hat auch die Weiterentwicklung der Geräte über Jahre begleitet. Sie sind heute geradezu Alltag. Anfang Oktober erst haben die auf der internationalen Raumstation ISS stationierten Astronauten Randy Bresnik und Mark Vande Hei den 203ten Weltraumspaziergang der Nasa-Geschichte absolviert.

Allerdings werden seit 1984 Weltraumspaziergänge nur noch mit Sicherungsleinen durchgeführt. Mit einer Ausnahme: Anfang der 90er Jahre entwickelte die Nasa einen deutlich kleineren Jetpack, der die Astronauten im Notfall zurück zum Raumschiff manövrieren soll. Dieser "Safer" wurde 1994 in einem unangeseilten Versuch getestet und gehört seitdem zur Standardausstattung für Außeneinsätze. Es war der erst vierte und letzte unangeseilte Weltraumspaziergang überhaupt.

McCandless aber wird immer der Erste gewesen sein.

Raumfahrt Der Mond ist Trump nicht genug

US-Weltraumpläne

Der Mond ist Trump nicht genug

Der US-Präsident möchte gerne Menschen bis zum Mars schicken. Das klingt irre, doch an Raumschiffen und Raketen hängen viele Arbeitsplätze - und damit Wählerstimmen.   Von Alexander Stirn