Biologie Zebrafinken zwitschern ihren Eiern was vom Klimawandel

Zebrafinken warnen ihren Nachwuchs vor zu hohen Temperaturen

(Foto: Chris Tzaros)

Warum singen Vögel ihrem Nachwuchs Lieder vor, obwohl der noch gar nicht geschlüpft ist? Forscher vermuten, dass es sich um eine Warnung handelt.

Von Hanno Charisius

Noch bevor sie schlüpfen, erfahren junge Zebrafinken von ihren Eltern über die Zustände der Welt da draußen. Als Brutrufe bezeichnen Wissenschaftler diese Form der pränatalen Kommunikation zwischen Elterntieren und ihren Nachkommen. Über 600 Stunden aufgezeichnetes Vogelgezwitscher hörten die Evolutionsökologinnen Mylene Mariette und Katherine Buchanan von der australischen Deakin University ab, bis sie ein Muster erkannten. Immer wenn die Temperatur in der Umgebung über 26 Grad Celsius anstieg, begannen die Elterntiere zu zwitschern.

So könne sich der Stoffwechsel der Küken wahrscheinlich bereits vor dem Schlüpfen an das gegenwärtige Klima anpassen, argumentieren die Forscherinnen im Fachblatt Science. Der gefundene Zusammenhang sei ein Beispiel dafür, wie sich Lebewesen an veränderte Umweltbedingungen anpassen könnten.

Die Föten vieler Tierarten sind schon lange vor der Geburt in der Lage, Geräusche wahrzunehmen und zu unterscheiden. Bislang wurde lediglich bei Menschen in Erwägung gezogen, dass vorgeburtliche Kommunikation Einfluss auf das spätere Leben der Kinder haben könnte. Seit 1993 hält sich das Gerücht, dass der IQ von Kindern steigt, wenn man ihnen im Bauch der Mutter Mozart-Stücke vorspielt. Belastbare Belege für diesen Mozart-Effekt gibt es bis heute nicht. Dennoch scheint ein Einfluss auf die Nachkommen möglich zu sein. Am deutlichsten wird das durch die Versuche von Mariette und Buchanan.

Die Forscherinnen konnten zeigen, dass sich Küken, die Hitzewarnungen von ihren Eltern bekommen hatten, anders entwickelten als die Jungtiere, für die nicht gesungen worden war. Vögel, die während der Brutphase das für Wärme spezifische Gezwitscher von Elterntieren vorgespielt bekamen, waren leichter als die Vergleichsgruppe. Das klingt wie ein Nachteil, doch konnten Mariette und Buchanan zeigen, dass diese Tiere weniger Zellschäden hatten. Das könnte ein Überlebensvorteil in einer tendenziell zu warmen Umgebung sein.

Tatsächlich hatten die leichteren Tiere sogar mehr Nachkommen als die Vögel in der Vergleichsgruppe. Und die männlichen Tiere wählten wärmere Plätze für den Bau ihrer Nester aus. Für die Wissenschaftler zeigt sich darin klar eine Anpassung an die steigenden globalen Temperaturen.