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Biologie:Der Zombie-Ameisen-Parasiten-Parasit

Ein Pilz befällt Ameisen und verwandelt sie in Zombies, um sich mit ihrer Hilfe zu vermehren. Doch etwas schützt die Ameisenvölker davor, sich vollständig in Untote zu verwandeln.

Ein Parasit, der in den Körper eindringt und die Kontrolle übernimmt - diese Horrorvorstellung wird für manche Tiere tödliche Realität. So befallen Pilze der Gattung Ophiocordyceps Ameisen, verwandelt die Insekten in Zombies, die sich unter dem Einfluss des Eindringlings in der Nähe des Nests in die Unterseite eines Blatts verbeißen und dort nach einigen Tagen sterben.

Der Pilz "frisst" die tote Ameise und bildet innerhalb von Wochen Sporen, die zu Boden rieseln, um weitere Ameisen zu infizieren, berichten David Hughes und sein Team von der Penn State University, USA.

Um die Nester der Ameisen in den Wipfeln der Bäume in den Regenwäldern Thailands und Brasiliens sind etliche Zombie-Ameisenleichen zu finden - die Forscher sprechen sogar von Ameisen-Friedhöfen.

Doch etwas schützt die Siedlungen davor, dass schließlich alle Bewohner in lebende Tote verwandelt werden.

Der Held der Ameisen ist ein weiterer Pilz. Der "sucht nach seinem eigenen Essen und denkt, diese tote Ameise ist doch eine nette Mahlzeit - inklusive des Pilzes, der die Ameise bereits verspeist", erklärte Hughes in der New York Times.

Kastrierte Parasiten

Der hyperparasitäre Pilz "kastriert" die Ameisen-Zombi-Pilze, und zwar so effektiv, dass 55,4 Prozent der Fruchtkörper der von den Wissenschaftlern untersuchten Ophiocordyceps-Pilze unfruchtbar waren.

Pilz befällt Ameise

Eine Zombie-Ameise hat sich in ein Blatt verbissen und ist verendet. Der Pilz (Ophiocordyceps unilateralis), der das Insekt befallen hat, wurde selbst von einem hyperparasitären Pilz (weiß mit gelbem Material) "kastriert".

(Foto: David Hughes, Penn State University)

Der Rest war überwiegend unreif oder beschädigt, so dass nur 6,5 Prozent der Zombi-Ameisenleichen tatsächlich über reife Sporen verfügten. Und von diesen gaben im Beobachtungszeitraum weniger als die Hälfte auch Sporen ab. Zu wenig, um das ganze Ameisenvolk in Zombies zu verwandeln.

Demnach sind die Todeszonen um die Nester, die aus den "Friedhöfen" mit Sporen verteilenden Kadavern der Zombi-Ameisen bestehen, relativ klein.

Die Wissenschaftler beschreiben das System aus komplexen Zusammenhängen zwischen dem Verhalten der Insekten und Pilze im Fachmagazin PLoS ONE.

© Süddeutsche.de/mcs/cat

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