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Arktis:Auftauende Mikroben wirken am Klimawandel mit

Wenn lang gefrorene Feuchtgebiete auftauen, kann Methan entweichen - ein Gas, das 25 Mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. Mikroben im Boden sind verantwortlich für den Prozess.

Wenn der Klimawandel in Sibirien, Skandinavien oder Alaska den Permafrost auftauen lässt, beginnt im Boden eine bedrohliche Geschäftigkeit. Mikroben werden wach und machen sich daran, den im Boden gespeicherten Kohlenstoff immer schneller in Methan umzuwandeln, in ein Treibhausgas also, das den Klimawandel 25-mal stärker antreibt als CO₂. Im Fachblatt Nature berichten Forscher um Carmody McKalley von der University of New Hampshire nun, dass dieser Prozess entscheidend von der Zusammensetzung der Mikrobenkultur im Boden beeinflusst wird - die wiederum davon abhängt, wie stark der Boden bereits aufgetaut ist.

Das Team hatte die Mikroorganismen im Stordalen-Feuchtgebiet im Abisko-Nationalpark in Nordschweden untersucht. Eine Mikrobe, nach dem Fundort Methanoflorens stordalenmirensis benannt, spielt demnach eine wichtige Rolle: Bei beginnendem Auftauen ist sie sehr häufig, dann wird eher wenig Methan produziert. Ist der Boden ganz aufgetaut, übernehmen andere Stämme die Vorherrschaft, die das Methan auf andere chemische Weise zusammensetzen.

Die Produktion steigt dann. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, den Part der Mikroben in Ökosystemen und im Klimawandel besser zu verstehen und zu modellieren. Falls die Zusammenhänge in anderen Permafrostgebieten ähnlich sein sollten, ergäben die üblichen Klimamodelle laut den Forschern verfälschte Ergebnisse. Sie würden die Methan-Emissionen aus Permafrostböden systematisch überschätzen, und im Gegenzug andere unterschätzen, etwa aus der Nutzung fossiler Brennstoffe.