bedeckt München 11°

Archäologie:Die Kellermeister von Kanaan

3700 Jahre alte Weinkrüge

Der antike Weinkeller enthielt 40 solcher Krüge

(Foto: Eric Cline/George Washington University)

Seit Jahrtausenden berauschen sich Menschen mit Hilfe von Alkohol. In Israel haben Archäologen nun einen der ältesten bekannten Weinkeller ausgegraben. Die Krüge sind 3700 Jahre alt.

Von Sebastian Herrmann

Seit der Mensch lebt, säuft er. Gut, das ist etwas übertrieben, aber nicht sehr fern von der Wahrheit. Die Lust am Rausch besteht seit Jahrtausenden, Alkohol genießt die Menschheit schon sehr lange. In Israel haben Archäologen nun einen der ältesten bekannten Weinkeller ausgegraben. 3700 Jahre alt sind die 40 großen Krüge, die Wissenschaftler im Norden Israels entdeckt haben.

Analysen von Spuren organischer Reste in den Behältern ergaben, dass darin einst Wein gelagert wurde. Vermutlich handele es sich um den größten antiken Weinkeller des Nahen Ostens, wie Eric Cline von der George Washington University und Assaf Yasur-Landau von der Universität Haifa berichten.

Die Ergebnisse der Grabung wurden am Freitag auf einer Konferenz in Baltimore, USA, präsentiert.

Die Krüge lagerten in einem Gebäude von Tell Kabri, einer einst prächtigen Siedlung der Kanaaniter im heutigen Norden Israels. "Der Weinkeller befand sich in der Nähe einer größeren Halle, wo Festessen stattfanden", sagt Yasur-Landau, "dort trafen sich die Eliten Kabris und Gäste aus dem Ausland, um Ziegenfleisch zu essen und Wein zu trinken."

Die Größe der Krüge lässt vermuten, dass an den Banketten zahlreiche Gäste teilnahmen: Die 40 Behälter verfügen über ein Fassungsvermögen von insgesamt 2000 Litern, das entspricht fast 2700 modernen Flaschen Wein.

Und es war kein Fusel, der im Keller von Kabri lagerte. Die Analysen organischer Spuren in den Krügen zeigten, dass der Wein in allen Gefäßen nach dem gleichen Rezept zubereitet worden war - ein deutliches Qualitätsmerkmal. Hinweise auf Wein- und Syringasäure belegten, dass ein vergorenes alkoholische Getränk aus Weinbeeren gelagert worden war.

Zudem fanden sich Reste von Honig, Zimt, Minze, Wacholder und Harz. Diese Bestandteile spielten in der Antike eine wichtige Rolle bei der Herstellung von Wein. Aus diesen Inhaltsstoffen lässt sich ein Rezept ableiten, das dem von Weinen aus dem alten Ägypten ähnele, berichten die Archäologen.

Der Keller von Kabri mag groß und die Tropfen edel gewesen sein - doch an anderen Fundstellen entdeckten Archäologen noch ältere Spuren von Weinbau. Der Chemiker und Archäologe Patrick McGovern, Spezialist für historische alkoholische Getränke, dokumentierte im Nordwesten Irans 7400 Jahre alte Gefäße, in denen Wein aufbewahrt worden war. Und in einer Höhle in Armenien kelterten die Menschen vor 6100 Jahren Rotwein.

Dort entdeckten Archäologen Fermentationsbottiche, eine Weinpresse, Krüge, ein Trinkhorn und Reste von Weinbeeren. Die Tradition des Weinbaus müsse in Asien schon früh eine Blütezeit erlebt haben, glaubt daher McGovern.

Bier tranken die Menschen auch. McGovern ließ einmal ein Bier brauen, das nach einem Rezept aus China angesetzt wurde. Dieses basierte auf der Analyse der Reste in dem Krug, in dem dieser Ur-Ur-Typ vor 9000 Jahren aufbewahrt worden war. In Mesopotamien feierten die Menschen einen Kult ums Bier: Vor 3000 Jahren verehrten sie die Biergöttin Ninkasi. Der Alkohol in ihrem Getränk hielt die Flüssigkeit frei von Keimen und berauschte. Wie nützlich, wie angenehm.

(Ein Video zu dem Fund ist hier zu sehen.)

© SZ vom 25.11.2013/mcs
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema