Anders Behring Breivik Mörderische Narzissten

Gerade die zuletzt genannte Störung wurde auch im Zusammenhang mit Anders Behring Breivik mehrfach angesprochen. Menschen mit dieser Störung zeichnen sich durch einige der folgenden Merkmale aus:

[] Sie halten sich selbst für großartig, einzigartig und besonders wichtig.

[] Sie sind arrogant und hochmütig.

[] Sie haben den Anspruch, dass andere ihre eingebildeten Erfolge und Talente gebührend wahrnehmen und sie entsprechend bewundern müssten.

[] Sie nutzen andere hemmungslos aus.

[] Sie phantasieren über Erfolge und Macht.

[] Häufig sind diese Menschen neidisch auf andere oder glauben, andere seien neidisch auf sie.

[] Und sie zeigen eine mangelhafte Fähigkeit zur Empathie - weshalb die Persönlichkeit dieser Menschen manchmal Überschneidungen mit der antisozialen/dissozialen Persönlichkeit aufweist.

Diese Selbstüberschätzung kann in einen mörderischen Wahn münden, wie zum Beispiel der Prozess um das Satanisten-Paar von Witten 2002 gezeigt hat. Das junge Ehepaar hatte 2001 einen Bekannten in ihre Wohnung gelockt und umgebracht. Die Psychiater bescheinigten beiden eine "erhebliche narzisstische Persönlichkeitsstörung", die sich in "überbordender Selbstbezogenheit und Selbstzentriertheit" gezeigt hatte. Beiden wurde aufgrund der "zutiefst zerstörten, zerrütteten Persönlichkeit" eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit zugestanden.

Der Verdacht, dass der Massenmörder aus Norwegen Merkmale dieser Persönlichkeitsstörung aufweist, ist angesichts der Selbstinszenierung in seinem Manifest und im Internet sicher naheliegend. Schließlich betrachtet er sich als Speerspitze einer europäischen Widerstandsbewegung, als Erster von Millionen, der zu den Waffen greift, als Anführer eines Ritterordens, dessen Bedeutung er für so riesig hält, dass er die Zeremonien, die Ausrüstung, sogar die Dienstgradabzeichen der wohl nur in seiner Phantasie existierenden Ordensmitglieder bis ins letzte Detail ausgearbeitet und in seinem Manifest erklärt hat. In diesem Punkt unterscheidet er sich übrigens von Selbstmordattentätern oder den RAF-Terroristen, die eher im Namen einer Organisation auftreten und sich selbst weniger inszenieren.

Die Bedeutung, die Breivik für sich selbst in Anspruch nimmt, wächst mit der Bedeutung, die er der fiktiven, gegen Europa gerichteten islamistischen Verschwörung beimisst, die er in seinem Manifest ausführlich beschreibt. Auffällig sind auch seine Ansprüche, als hochmoralische, sympathische, menschliche Heldenfigur wahrgenommen zu werden. Und schließlich muss jemand, der 68 Mitmenschen erschießt, zumindest während der Tat unter einem Mangel an Empathiefähigkeit leiden, die man sich als normaler Mensch gar nicht vorstellen kann oder will.

Alle diese Hinweise auf die Persönlichkeit des Anders Behring Breivik werden die Experten zu deuten wissen. Ihn einfach als Psychopathen zu bezeichnen, als Verrückten oder Verwirrten, ist aber genauso falsch wie davon auszugehen, dass jemand, der so planvoll vorgeht, nicht gestört sein kann.

"Meiner Ansicht nach gibt es einige Taten, die per Definition den Geist dahinter erkennen lassen", sagt Simon Baron-Cohen, britischer Psychologe an der University of Cambridge. "Und der kaltblütige Mord an einem unschuldigen Kind ist eine davon", schreibt er in seinem kürzlich veröffentlichten Buch Zero Degrees of Empathy. A new theory of human cruelty.