Tierseuche Umzingelt von der Schweinepest

Nur 60 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze sind in Belgien Fälle von Afrikanischer Schweinepest festgestellt worden.

(Foto: dpa)
  • Die Afrikanische Schweinepest hat Westeuropa erreicht. In Belgien wurden tote Wildschweine entdeckt, die mit dem Virus infiziert waren.
  • Bislang wütete die Tierseuche ausschließlich in Osteuropa und Russland.
  • Die Virusinfektion betrifft nur Wild- und Hausschweine und ist für den Menschen ungefährlich. Für Schweinehalter ist sie jedoch eine existenzielle wirtschaftliche Bedrohung.

Die Afrikanische Schweinepest ist nun auch in Westeuropa aufgetaucht: Nur 60 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze sind in Belgien Fälle von Schweinepest festgestellt worden, teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium am Donnerstag mit. Demnach wurde die Seuche bei tot aufgefundenen Wildschweinen im Dreiländereck von Frankreich, Luxemburg und Belgien nachgewiesen.

Betroffen von der Afrikanischen Schweinepest (ASP) sind bereits acht osteuropäische Staaten sowie Russland. In Rumänien hat die Seuche das größte Ausmaß seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht. Bisher gibt es noch keinen Fall in Deutschland, doch mit den neuen Fällen in Belgien wächst das Risiko. Um eine Verbreitung der Seuche zu verhindern, wurden bereits Hunderttausende Wildschweine etwa in Polen und Tschechien abgeschossen.

Die Afrikanische Schweinepest ist eine schwere Virusinfektion, die ausschließlich Wild- und Hausschweine betrifft und für sie tödlich sein kann. Für den Menschen ist sie ungefährlich. Die hochansteckende Seuche wird vor allem über Wildschweine und kontaminierte Lebensmittel, etwa Würste, verbreitet.

"Handfeste Bedrohung vor der Haustür"

In Deutschland und Frankreich lassen die neuen Fälle vor der Haustür die Sorge vor einem Übergreifen der Seuche wachsen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sagte, sie nehme die Situation ernst - "aber wir sind gut vorbereitet". Ihr Ministerium stehe in ständigem Austausch mit den belgischen Behörden und der EU-Kommission. Das Ministerium wies erneut auf die strikte Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen in der Schweinehaltung hin. Jäger wurden aufgefordert, verendet aufgefundene Wildschweine den jeweils zuständigen Behörden anzuzeigen, um eine Untersuchung zu sichern.

"Wir haben es nun mit einer handfesten Bedrohung vor der Haustür zu tun", sagte Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU). "Den Ausbruch der Schweinepest so dicht an der deutschen Grenze nehmen wir sehr ernst." Prävention habe höchste Priorität. Niedersachsen ist das Bundesland, in dem die meisten Schweine gemästet werden. Die nordrhein-westfälische Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) erklärte: "Wir sind in Nordrhein-Westfalen gut gerüstet."

Europaweit waren bis Ende August mehr als 4800 Fälle von Afrikanischer Schweinepest bei Wildschweinen und in Hausschweinbeständen gemeldet worden - rund 700 mehr als im gesamten Vorjahr. In Rumänien waren dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) zufolge inzwischen mehr als 780 Schweinehaltungen betroffen. Da es keinen Impfstoff gegen die Seuche gibt, müssen Experten zufolge die klassischen Bekämpfungsmethoden wie die Einrichtung von Sperrgebieten, die Tötung infizierter Bestände sowie die gezielte Jagd auf Wildschweine greifen.

Für Schweinehalter mit mehreren Tausend Tieren stellt die Schweinepest eine existenzielle Gefahr dar. Sollten China, der Hauptabnehmer für deutsches Schweinefleisch außerhalb der EU, oder andere Drittstaaten Importverbote verhängen, ist wegen des dann folgenden Überangebots auf dem Binnenmarkt mit einen Preisverfall zu rechnen.

Das Wildschwein als Bauernopfer

Aus Angst vor der Schweinepest will der Bauernverband die Wildschweinbestände in Deutschland stark dezimieren. Doch die Tiere sind nicht das eigentliche Problem. Kommentar von Hanno Charisius mehr...