Warum ist Deflation gefährlich?

EZB-Präsident Mario Draghi möchte verhindern, dass Europas Wirtschaft in eine gefährliche Deflation rutscht. Dauerhaft sinkende Preise könnten dazu führen, dass Verbraucher ihre Einkäufe aufschieben, weil sie hoffen, das Produkt später noch günstiger zu ergattern. Dann würde das Wirtschaftswachstum zurückgehen. Durch eine Deflation geraten die Unternehmen zudem in eine Gewinnkompression. Das bedeutet: Weil die Löhne der Mitarbeiter unverändert bleiben, sinken bei niedrigeren Verkaufspreisen die Profitmargen. In Japan führte die Deflation zu einer jahrzehntelangen Wirtschaftskrise. Allerdings ist es unter Wissenschaftlern umstritten, ob eine Deflation wirklich zur Katastrophe führen muss. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hält die Deflation der 1930er-Jahre, die bisher schlimmste, für nicht repräsentativ. In vielen anderen Deflationsphasen seien die Wachstumseinbrüche viel geringer gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien fallende Preise sogar mit höherem Wachstum einhergegangen. Fraglich ist auch, ob die Verbraucher ihre Einkäufe tatsächlich aufschöben: Elektronikgüter etwa werden von Jahr zu Jahr billiger - die Kunden kaufen.

Bild: Frank Rumpenhorst/dpa 10. März 2016, 12:002016-03-10 12:00:44 © SZ/jasch