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Karstadt: Kritik an Borletti-Offerte:"Nicht unterschriftsreif"

Kurz vor dem Showdown im Karstadt-Poker meldet sich der Insolvenzverwalter zu Wort: Klaus Hubert Görg warnt die Gläubiger vor dem Angebot des italienischen Investors Maurizio Borletti. Es sei substanzlos.

Kurz vor der Entscheidung über das Schicksal von Karstadt hat Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg das Angebot des italienischen Warenhausbetreibers Maurizio Borletti als substanzlos zurückgewiesen.

Logo of  Karstadt store in Berlin

Karstadt-Logo an einem Kaufhaus des Einzelhandelskonzerns in Berlin: Die Beschäftigten bangen nun schon mehr als ein Jahr um ihre Arbeitsplätze.

(Foto: REUTERS)

"Die mir übermittelten Texte enthalten in ganz wesentlichen Teilen Hoffnungen und sie enthalten Lücken..., heißt es in dem in Essen veröffentlichten Schreiben.

Die Erwartung, dass mit Hilfe von Borletti eine mögliche Liquidation nach einem Scheitern des Investors Berggruen abgewandt werden könnte, bezeichnete der Insolvenzverwalter als widerlegt.

Die Mutmaßung, Borlettis Angebot könne besser sein als das Angebot des vorgesehenen Karstadt-Käufers Nicolas Berggruen, erschließe sich nach Analyse der Texte des Italieners nicht.

Borletti-Sprecherin: "Einseitige Parteinahme"

Auch ein Mietvertrag mit dem Karstadt-Vermieter Highstreet liege nicht vor, so Görg. Darüber hinaus fehle die Zustimmung der verschiedenen Highstreet-Gläubigergruppen. Dass er Inhalte aus seinem Brief an Borletti veröffentliche, liege am bevorstehenden Treffen eines Teils der Highstreet-Gläubiger am Donnerstag (2. September) in London, sagte Görg.

Dort soll über die künftigen Mietkonditionen abgestimmt werden, die für die Karstadt-Käufhäuser mit Berggruen ausgehandelt worden sind. "Jeder der Beteiligten, Senior- wie Mezzanine-Kapitalgeber - kann, soll und muss wissen, dass Borlettis Papiere nicht unterschriftsreif sind", sagte Görg.

Eine Borletti-Sprecherin warf dem Insolvenzverwalter "eindeutige Parteinahme" vor. Wenn Görg auf einen noch nicht unterschriebenen Mietvertrag mit Highstreet verweise, sei das nur formaljuristisch richtig. Faktisch sei bereits eine Einigung erzielt worden, sagte die Sprecherin.

Borletti hatte Ende Juli überraschend ein Angebot für Karstadt abgegeben, obwohl die Frist bereits mehrere Monate abgelaufen war. Zudem hatte sich zu diesem Zeitpunkt Berggruen mit dem Insolvenzverwalter schon über einen Kaufvertrag geeinigt.

Im Gespräch geblieben

Görg hatte auf Borlettis Offerte ablehnend reagiert. Anfang August hatte es zudem geheißen, dass die Verkaufsverhandlungen nach einem Beschluss der Gläubiger exklusiv mit Berggruen fortgeführt werden sollen.

Parallele Verhandlungen mit Borletti sollte es nach der damaligen Aussage eines Görg-Sprechers nicht mehr geben. Die Gläubiger waren damals offenbar irritiert, dass Borletti anders als angekündigt Zugeständnisse gefordert habe. Bis auf den Vermieter Highstreet hätten sämtliche Gläubigervertreter deshalb weitere Gespräche mit Borletti abgelehnt.

In der Folge blieb der Name Borletti dennoch im Gespräch. Offenbar schienen zumindest manche Vermieter den Italiener gegenüber Berggruen zu favorisieren, weil Borletti dem Anschein nach geringere Mietnachlässe als der deutsch-amerikanische Milliardär forderte. Zwar drangen keine konkreten Informationen über den Verhandlungsstand nach außen, doch weil sich Berggruen mit dem Vermieterkonsortium Highstreet nicht auf die künftigen Mietkonditionen einigen konnte, musste die Entscheidung des Amtsgerichtes Essen über den Insolvenzplan viermal verschoben werden.

Diese Entscheidung ist nun für Freitag, den 3. September angesetzt. Vor wenigen Tagen legte Borletti sein überarbeitetes Angebot vor, das Görg nun zerpflückte. Sollten die Highstreet-Gläubiger am Donnerstag ihre Zustimmung zu den von Berggruen geforderten niedrigeren Mieten verweigern, droht Karstadt die Zerschlagung. Rund 25.000 Beschäftigte müssten dann um ihren Arbeitsplatz bangen.