Autozulieferer:Webasto macht Verlust

Ein Jahr erster Corona-Patient Deutschland

Der Autozulieferer Webasto wurde bekannt durch erste Corona-Fälle in Deutschland.

(Foto: Lino Mirgeler/dpa)

Der Autozulieferer Webasto wurde durch den ersten Corona-Fall Deutschlands bekannt - jetzt geht es wieder um Zahlen. Die sind nicht berauschend.

Von Thomas Fromm, München

Wenn Manager Schaubilder zeigen, ist da oft Raum für Interpretationen. Beim Autozulieferer Webasto präsentierte Unternehmenschef Holger Engelmann am Dienstag ein Schiff in schwieriger See, irgendwo am hinteren rechten Bilderrand sind Felsen in Sicht. Klippen, die man im Sturm umschiffen muss? Oder vielleicht doch ein Eisberg, die ewige Titanic-Metapher? So genau weiß man das auf den ersten Blick nicht. Aber, immerhin, das Schaubild steht unter dem Titel "Fazit: Robust durchs Krisenjahr". Und ein Kompass ist auch dabei. Sieht also doch eher nach Umschiffen als Untergang aus.

Den Sturm hatte der Autozulieferer aus dem Süden von München schon sehr früh abgekriegt. Bis Anfang 2020 war der Hersteller von Panoramadächern und Standheizungen vor allem ein Unternehmen für sehr autoindustrieaffine Menschen. Dann gab es in der Zentrale in Stockdorf die erste nachgewiesene Covid-19-Infektion in Deutschland, und plötzlich war dieses Unternehmen mit seinen Corona-Infektionsketten landesweit bekannt.

Inzwischen geht es längst wieder um Zahlen und Strategien. Dass der Umsatz im Corona-Jahr 2020 um mehr als zehn Prozent auf 3,3 Milliarden Euro zurückging, lag daran, dass die Nachfrage nach Dächern und Heizungen in der Pandemie schrumpfte. Dass man aber zum ersten Mal seit vielen Jahren in die roten Zahlen rutschte, hat Engelmann zufolge nichts mit den Viren zu tun. Der Verlust vor Zinsen und Steuern lag bei 69 Millionen Euro nach einem Plus von 107 Millionen Euro im Vorjahr, und dafür seien vor allem hohe Investitionen in die Elektromobilität verantwortlich gewesen. Dies sei "natürlich schmerzlich" gewesen, sagt Engelmann. Aber Investitionen wie die in Ladestationen für E-Autos sind eben nötig, das Unternehmen will den Bereich E-Mobilität zu einem neuen großen Standbein ausbauen. Dass die Zahl der Mitarbeiter im Krisenjahr leicht stieg, liegt vor allem daran, dass im Bereich Elektromobilität aufgebaut wurde. Heute nennt Engelmann den Bereich ein "kleines Pflänzchen". Irgendwann sollen sich die Investitionen dann aber in großem Stil auszahlen. Schon in diesem Jahr soll das Geschäft wieder auf Vorkrisenniveau laufen - Gewinn inklusive. Und doch werde 2021 erstmal "ein äußerst sportliches Jahr" werden.

© SZ/slb
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