Vorwahlen der Republikaner in Michigan Wie sich Romney die Autoindustrie zum Feind gemacht hat

Mitt Romney forderte einst: "Lasst Detroit pleitegehen!" und wandte sich damit gegen Staatshilfen für die kriselnde US-Autoindustrie. Der Satz rächt sich jetzt im Wahlkampf, denn obwohl Romney in Michigan geboren wurde, liegt er bei den Vorwahlen der Republikaner dort zehn Prozentpunkte hinter seinem innerparteilichen Rivalen Santorum.

Von Moritz Koch

Ein Mann, der solche Hobbys hat, ist kein Freund der leisen Töne. Bob Lutz, früherer GM-Vorstand und bekennender Autonarr, verbringt seinen Ruhestand an Steuerknüppel eines Kampfjets und im Cockpit eines Hubschraubers. Auch seine Worte wählt er gern nach dem Kriterium des größtmöglichen Wiederhalls, vor allem, wenn es um seine Herzenssache geht: die Autoindustrie.

Michigan ist Romneys Heimat - trotzdem hat er im Wahlkampf hier Probleme. Vor Jahren hatte er sich mit einem kritischen Kommentar gegen Staatshilfen für die Autoindustrie gewandt.

(Foto: AP)

Eine Hörprobe lieferte Lutz jetzt der New York Times, die ihn nach seiner Meinung zu Mitt Romney fragte, dem Favoriten für die republikanische Präsidentschaftskandidatur: "Ich glaube, dass alle in der Autoindustrie, die wussten, was vor sich geht, tief enttäuscht waren, und ich würde sogar sagen: wütend."

Lutz hat Romney nicht verziehen, dass dieser vor vier Jahren einen Beitrag in der New York Times mit der Überschrift "Lasst Detroit pleitegehen" verfasst hat. Romney schrieb, dass Staatshilfen die US-Autoindustrie durch Staatshilfen ruinieren würden.

Eine gewagte These angesichts der Tatsache, dass private Investoren GM und Chrysler längst abgeschrieben hatten. Nun erhält der Multimillionär die Quittung. In Umfragen zu den Vorwahlen in Michigan liegt Romney zehn Prozentpunkte hinter seinem innerparteilichen Rivalen Rick Santorum. Und das, obwohl Romney in Michigan geboren wurde, und sein Vater George erst Automanager in Detroit und später Gouverneur des Industriestaats war.

Balz mit den Rechten

Eine Niederlage in seiner Heimat wäre ein Desaster für Romney - und eine Genugtuung für Lutz. Er habe Romneys Äußerungen als eine Balz mit den Rechten wahrgenommen, sagt er und verrät auch, wo er das Kreuzchen bei seiner Briefwahl gemacht hat: bei Rick Santorum. Dass Santorum noch weiter rechts steht als Romney, scheint Lutz nicht zu stören, offenbar schätzt er dessen Gradlinigkeit.

Anders als Romney hat Santorum nicht nur den "Auto bail-out", sondern auch die Rettung der Banken abgelehnt. Für den gottesfürchtigen Ex-Senator aus Pennsylvania sind Staatshilfen Teufelszeug, immer und überall. Das macht ihn glaubwürdiger, zumindest bei den Konservativen. Santorum spricht die Sprache der einfachen Bürger, indem er etwa von seinem Großvater erzählt, der in Kohleschächten geschuftet habe. Romney hingegen wirkt unnahbar. Das Image des Finanzhais haftet ihm an. Mit Firmenaufkäufen hat Romney ein Vermögen verdient. Er scheute sich nicht, Werke zu schließen und die Belegschaft zu feuern.

Doch der eigentliche Gewinner der Debatte um die Autoindustrie sitzt in Washington. Präsident Barack Obama hat die Branche gestützt, nun fährt er die politische Rendite ein. GM ist zurück an der Weltspitze. Auch Chrysler ist saniert. Zwar hat die Regierung 14 Milliarden Dollar verloren. Ohne Staatshilfen wäre die Arbeitslosigkeit in Michigan aber auf Depressionsniveau gestiegen und die Steuereinnahmen wären kollabiert.

Und Romney? Der versucht wieder einmal den Spagat. Einerseits präsentiert er sich als geistiger Vater der Autorettung, schließlich sei es doch genauso gekommen, wie er gefordert hatte: GM und Chrysler hätten Insolvenz angemeldet und so den Grundstein für den Neuanfang gelegt. Andererseits wirft er Obama "Amigo-Kapitalismus im großen Maßstab" vor. Die Staatshilfen hätten allein dazu gedient, die Gewerkschaftsbosse zu bereichern, schreibt Romney in einem neuen Editorial, erschienen in Detroit Free Press. Dass GM und Chrysler die Insolvenz ohne die Milliarden aus Washington nicht überlebt hätten, verschweigt er dabei lieber.