Volkswagens Vorstandschef Winterkorns Kampf ist verloren

Winterkorn hat das Spiel verloren. Er ist raus.

(Foto: REUTERS)

Der Tag der Wahrheit ist gekommen. VW will heute mitteilen, wie es weitergehen soll mit dem Chef. Dabei hat Martin Winterkorn das Spiel längst verloren. Er ist raus.

Kommentar von Thomas Fromm

Den Abend nach dem Showdown verbrachte Martin Winterkorn im Stadion - VfL Wolfsburg gegen Neapel. Der Verein des Noch-VW-Chefs war chancenlos und wurde von den Italienern gegen die Wand gespielt, und insofern passte das Spiel genau zwischen diese beiden Tage. Donnerstag, der Tag der stundenlangen Verhandlungen der VW-Aufsichtsräte über das Schicksal des angezählten Winterkorn. Und Freitag, dem Tag der Wahrheit. Heute will der Konzern mitteilen, wie es weitergehen soll mit dem Chef. Aber egal, was man mitteilten wird: Winterkorn hat das Spiel längst verloren. Er ist raus.

Es ist eine Woche her, dass sein Aufsichtsratschef ihn öffentlich demontiert hat. Es war nur ein Satz ("Ich bin auf Distanz zu Winterkorn"), aber dieser eine Satz kam vom VW-Patriarchen Ferdinand Piëch, der auf diese Weise schon viele Manager-Karrieren beendet hatte. Ein Satz, eine Woche, große Folgen. Das war nicht nur wohl kalkuliert - das war die dramaturgisch perfekte Leistung eines Sprach-Minimalisten, dessen Worte immer nach dem gleichen Prinzip funktionieren. Piëch weiß genau: Man lässt so einen Satz einfach in die Welt plumpsen und wartet dann ab.

So ein Satz fällt schnell, wirkt dann aber langsam, dafür verheerend, und je länger so etwas dauert, desto schlimmer ist es für den Betroffenen. Er wird von Tag zu Tag schwächer, wechselt vom handelnden Subjekt, das er jahrelang war, in die Rolle des Objekts. Er wird zum Spielball der handelnden Akteure, der Piëchs, Porsches, Politiker und Betriebsräte. Spätestens dann ist er als Konzernchef über ein 200-Milliarden-Reich verbrannt.

Es gab an diesem entscheidenden Donnerstag kein Wort des Bedauerns, keine Klarstellung, kein Wort der Solidarität, stattdessen nur: Verhandlungen bis zum Abend, Geheimniskrämerei, vielsagendes Schweigen - die Umgangsformen in den obersten Topetagen unserer Wirtschaft können sehr hart sein. Es ist davon auszugehen, dass Winterkorns Karriere bei VW heute endet. So oder so. Ausgerechnet am 17. April. Es ist der Geburtstag des Alten, heute wird Piëch 78 Jahre alt. Was für ein Zufall, was für ein Timing. Es gibt Menschen, die machen sich ihre schönsten Geschenke selbst.