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Volkswagen:Ende des VW-Abgasskandals in den USA in Sicht

Volkswagen steht wegen der Abgasaffäre in den USA unter Druck.

Anders als in Deutschland bekommen VW-Kunden in den USA Schadenersatz wegen des Abgasskandals.

(Foto: dpa)
  • Der zuständige US-Richter Charles Breyer hat Volkswagen eine Zustimmung zum Vergleich signalisiert, den der Konzern mit der Regierung und den Anwälten geschädigter Kunden ausgehandelt hat.
  • Für VW wäre das im Skandal um Abgasmanipulationen ein gewaltiger Schritt nach vorne. Die endgültige Entscheidung fällt aber erst am Dienstag.

Von Claus Hulverscheidt, New York

Volkswagen ist im Bemühen um eine Bewältigung des Abgasskandals in den USA einen großen Schritt vorangekommen. Der zuständige Richter Charles Breyer sagte bei einer Anhörung in San Francisco, er "neige stark dazu", den Vergleich, den VW mit der Regierung und den Anwälten der Kunden ausgehandelt habe, endgültig zu billigen. Bis zum kommenden Dienstag werde er noch eine Reihe von Einwänden wägen und entscheiden, ob einige Details verändert werden müssten.

Breyer betonte, Volkswagen habe außer den Kunden auch die Umwelt und damit die Allgemeinheit geschädigt. Der Konzern müsse deshalb bestraft werden. Es sei allerdings nicht Aufgabe des Gerichts, "den letzten Cent aus dem Unternehmen herauszuquetschen" und es damit in den Ruin zu treiben. Nach Angaben von VW-Anwalt Robert Giuffra haben schon fast 340 000 Besitzer von Zwei-Liter-Pkw dem Vergleich zugestimmt. Insgesamt sind 480 000 Fahrzeuge dieser Klasse betroffen.

Die Einigung könnte VW bis zu 16,5 Milliarden Dollar kosten

Der Konzern hatte vor gut einem Jahr gegenüber den US-Behörden eingestanden, dass er den Schadstoffausstoß seiner Diesel-Pkw über Jahre manipuliert hatte: Eine Software regelte die viel zu hohen Emissionen herunter, sobald ein Abgastest bevorstand. Allein in den Vereinigten Staaten sind neben den 480 000 Wagen mit zwei Litern Hubraum weitere 85 000 Oberklasse-Modelle mit Drei-Liter-Motor betroffen. Für Letztere gibt es noch keine Lösung. Giuffra zeigte sich aber zuversichtlich, dass die beteiligten Parteien beim nächsten Gerichtstermin am 3. November auch hier Fortschritte präsentieren können.

Anders als etwa in Europa, wo mehr als acht Millionen Fahrzeuge betroffen sind, hat VW den Kunden in den USA zugesagt, zwischen 5100 und knapp 10 000 Dollar Schadenersatz pro Auto zu zahlen. Der Konzern muss die Pkw zudem reparieren oder zurückzukaufen und 4,7 Milliarden Dollar in zwei Umweltfonds einzahlen. Die Gesamtkosten des Vergleichs belaufen sich auf bis zu 15 Milliarden Dollar. Nimmt man die Einigungen mit vielen US-Bundesstaaten sowie den VW-Händlern des Landes hinzu, kommen gar 16,5 Milliarden Dollar (rund 15 Milliarden Euro) zusammen.

Weniger als ein Prozent der US-Kundschaft lehnt den Vergleich ab

Breyer verwies darauf, dass bisher weniger als ein Prozent der Kunden den Vergleich abgelehnt hätten. "Das bedeutet, dass 99 Prozent den Vorschlag offensichtlich gutheißen - und das obwohl die Interessen der Betroffenen sehr unterschiedlich waren." Dass die Kunden womöglich schon ab nächste Woche Ansprüche geltend machen dürfen, könnte sich für VW allerdings noch als Problem erweisen, denn die US-Behörden haben bisher alle Reparaturkonzepte für die Diesel-Pkw abgelehnt. Kommt es hier nicht bald zu einer Einigung, wird VW womöglich noch deutlich mehr Autos zurückkaufen müssen.

Erstmals kamen bei der Anhörung auch mehr als ein Dutzend Kunden und Anwälte zu Wort, die die Vereinbarung als unzureichend ablehnen. Elizabeth Cabraser, die Koordinatorin der Klägeranwälte, verteidigte den ausgehandelten Vergleich zwar, sagte aber auch, vielen VW-Fahrern sei nicht nur ein materieller, sondern auch ein ideeller Schaden entstanden. Volkswagen muss bis zum Jahr 2018 mindestens 85 Prozent der Kunden dazu bewegen, sich an der Vergleichsvereinbarung zu beteiligen. Wer nicht mitmacht, muss alleine weiterklagen.

© SZ vom 19.10.2016/ees
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