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Europäischen Zentralbank:Wie reagiert die EZB auf China?

China Stock Markets Remain Volatile Amid Economy Fears

Börsenhändler vor Monitoren in Peking: Die Lage an den weltweiten Märkten ist auch wegen der schlechten Konjunktur in dem Land unübersichtlich.

(Foto: Kevin Frayer/Getty Images)
  • Die Börsen spielen seit Tagen verrückt, weil Chinas Wachstum abflaut.
  • Die Unsicherheit sorgte für eine Aufwertung des Euro, woran die Europäische Zentralbank kein Interesse hat.
  • An diesem Donnerstag entscheidet der EZB-Rat über die Höhe der Leitzinsen - und möglicherweise über neue Anleihekäufe.

Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) macht man sich mal wieder Sorgen um die Inflation. Die Preissteigerungen fallen immer noch sehr niedrig aus, die Furcht vor einer gefährlichen Deflation in der Eurozone könnte demnächst wieder aufkeimen. Ein Grund ist die Lage in China. Das Wachstum dort geht zurück, das betrifft auch die Konjunktur in Europa. Wie stark die Wirtschaft in Europa davon betroffen sein könnte, das werden EZB-Präsident Mario Draghi und seine Kollegen an diesem Donnerstag in ihrer ersten regulären Sitzung nach den Sommerferien erörtern. Gut möglich, dass Draghi den Finanzmärkten noch einmal Unterstützung aus der Notenpresse verspricht, sollten sich die Beben an den Börsen und die Verunsicherung in der Wirtschaft verstärken.

China und kein Ende. Die Welt scheint erst langsam zu begreifen, welche Auswirkungen es hat, wenn es dort nicht mehr so gut läuft wie früher. Auch die Finanzminister der 20 weltweit wichtigsten Industrie- und Schwellenländer werden auf ihrer am Freitag in Ankara beginnenden G-20-Tagung über die Auswirkungen der Krise in China beraten. Am Mittwoch lieferte die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft erneut negative Zahlen. Die chinesische Produktion schrumpft derzeit so schnell wie seit drei Jahren nicht mehr. Japans Finanzminister Taro Aso mahnte eine offene Diskussion über die Lage in China in Ankara an. China ist der größte Handelspartner Japans.

"Was sich in den vergangenen Wochen erwiesen hat, ist, wie sehr Asien im Zentrum der Weltwirtschaft steht", sagte Christine Lagarde, die Präsidentin des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Mittwoch auf einer Konferenz in der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Sie warnte vor Ansteckungsgefahren durch die Börsenturbulenzen in China. Die jüngsten Schwankungen auf den weltweiten Finanzmärkten zeigten, wie rasch die Risiken von einer Volkswirtschaft zur nächsten übergreifen könnten.

Die Börsen spielen schon seit Tagen verrückt. Die Preise für Aktien, Währungen und Rohstoffe schwanken so stark wie lange nicht mehr. Ein Beispiel ist der Ölmarkt. Der Preis für ein Barrel (etwa 159 Liter) der US-Ölsorte WTI war von vergangenen Donnerstag bis Montag um mehr als 27 Prozent gestiegen - der größte Drei-Tages-Gewinn seit 1990. Allein am Dienstag fiel der Preis dann um acht Prozent, um sich im frühen US-Handel am Mittwoch kaum zu bewegen. Und das, nachdem die Preise zwei Monate lang beinahe stetig bis auf ein Sechseinhalb-Jahres-Tief gefallen waren. Es scheint, als klammerten sich die Händler an jede noch halbwegs relevante Nachricht, seien es die Lagerbestände in den USA oder Probleme mit einer Pipeline in Nigeria. Rational und logisch lassen sich derart starke Schwankungen jedenfalls nicht mehr erschließen.

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