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Verkehr - Hamburg:Ein Jahr Ioki-Taxis: Fahrt meistens zur "Öffi"-Haltestelle

Hamburg (dpa/lno) - Das vor einem Jahr in zwei Hamburger Stadtteilen eingeführte Sammeltaxi Ioki ist von mehr als 215 000 Fahrgästen genutzt wurden. Diese Zahl nennt der Anbieter in seiner am Montag veröffentlichten Jahresbilanz. Mehr als 160 000 Fahrten seien absolviert worden. Ioki Hamburg habe die Erwartungen übertroffen, berichtete der Geschäftsführer der Bahn-Tochter, Michael Barillère-Scholz. Der Plan, den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) zu stärken, sei aufgegangen.

Ioki bedient in Hamburg die westlichen Stadtteile Lurup und Osdorf, von Herbst an soll der Dienst auch das östliche Billbrook bedienen. Den Unternehmensangaben zufolge lässt sich mehr als die Hälfte der Fahrgäste zu größeren Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs bringen. Der Betreiber hat nach eigenen Angaben täglich 20 Elektrofahrzeuge im Einsatz, die im ersten Betriebsjahr 900 000 Kilometer zurücklegten. Dadurch seien 170 Tonnen Kohlendioxid (CO2) eingespart worden.

Die westlichen Stadtteile waren wegen ihrer schlechteren Nahverkehrsanbindung ausgewählt worden. Das gilt auch für das nun anvisierte, von Gewerbe geprägte Gebiet Billbrook. Hier zielt das Angebot vor allem auf Berufspendler ab. Es sind nach früheren Angaben rund 1 000 Betriebe mit mehr als 20 000 Beschäftigten ansässig. In dem Stadtteil soll im August ein Testbetrieb starten, teilten die Projektpartner mit. Der Ioki-Fahrdienst war von den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) mitentwickelt worden.

Über die "ioki Hamburg App" (34 000 Downloads) werden die Fahrten gebucht. Sie sind zum HVV-Tickettarif zu haben, plus ein Euro Aufschlag pro Person. Ähnliche Fahrten werden durch einen Algorithmus zu Fahrgemeinschaften gebündelt (Ride-Pooling). Im Durchschnitt hätten pro Fahrt 1,7 Personen im Taxi gesessen, teilte das Unternehmen mit (Pooling-Quote). In einem privat genutzten Auto seien es durchschnittlich 1,47 Personen. Grundlage für diese Berechnung sind die von den Personen zurückgelegten Kilometer. Ob Studenten, Pendler oder Rentner den Fahrdienst nutzen, wird über die App nicht erfasst. Daher konnte das Unternehmen keine Angaben zur Altersstruktur der Fahrgäste machen.

Seit der Einführung des Aufpreises im April dieses Jahres sei die Verfügbarkeit der Fahrzeuge, die an Londoner Taxis erinnern, deutlich gesteigert worden. 93 Prozent aller Anfragen könnten mittlerweile bedient werden, hieß es. Die durchschnittliche Wartezeit liege "konstant unter fünf Minuten". Das entspreche dem vom rot-grünen Senat angestrebten "Hamburg-Takt", nach dem die Bewohner in dieser Zeit ein öffentliches Nahverkehrsangebot erreichen sollen.

Geteilte und vernetzte Mobilität sei ein wichtiger Baustein für die Mobilität des 21. Jahrhunderts, bekräftigte Hamburgs Verkehrssenator Michael Westhagemann (parteilos). "Wir wollen die Straßen entlasten und die Luft reinhalten." Das gehe nur mit Angeboten, die es den Hamburgern erleichterten, das eigene Auto stehen zu lassen.