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US-Wirtschaft vor der Wahl:Symptome gelindert, Ursache nicht behoben

Seit Kurzem wandelt sich die Lage Obamas. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt, die Amerikaner schöpfen Vertrauen in den Aufschwung. Doch weder der US-Präsident noch sein Herausforderer Romney wagen zu sagen, dass dem Land ein neuer Morgen bevorstehe. Zu Recht.

Trading On The Floor Of The NYSE On The 25th Anniversary Of Black Friday

US-Flagge an der NYSE: Hoffungsschimmer, vielleicht die blaue Stunde nach der schwarzen Nacht

(Foto: Bloomberg)

Einfache Sprachbilder waren die Spezialität von Ronald Reagan. Bis heute unvergessen der Slogan "It's morning in America", mit dem er 1984 um seine Wiederwahl kämpfte. Das Land habe die Rezession bald hinter sich, lautete die Botschaft, und sie traf das Lebensgefühl der Wähler. Reagan siegte triumphal.

Die Methode Zuversicht schien sich für den Wiederwahlkämpfer Barack Obama lange zu verbieten. Zu groß das Heer der Arbeitslosen, zu hoch die Schulden, zu trist die Stimmung der Wähler. Doch in den vergangenen zwei Monaten hat sich die Lage gewandelt. Die Arbeitslosenquote sinkt, ganz langsam schöpfen die Amerikaner Vertrauen in den Aufschwung.

Und Obama, dessen Kampagne bisher vor allem eine Warnung vor seinem Widersacher Mitt Romney war, passt seine Botschaft an: "Es geht wieder voran", ruft er jetzt. "Wir haben fünf Millionen Jobs geschaffen. Die Häuserpreise steigen wieder, die Börsenkurse haben sich verdoppelt." Es ist ein Hoffnungsschimmer, vielleicht die blaue Stunde nach der schwarzen Nacht der langen Krise. Doch weder Obama noch Romney wagen es zu sagen: Dem Land steht kein neuer Morgen bevor, sondern ein Erwachen mit den alten Lastern. The same old yesterday.

TV-Duell Obama gegen Romney

Und dann kam Libyen

Die US-Wirtschaft steckt in gefährlichen Routinen fest. Konsumabhängig und schuldenfinanziert war das Wachstum vor der großen Rezession. So ist es geblieben. Zwei Drittel seiner Wirtschaftskraft verdankt Amerika der Kauflust seiner Bürger. Seit dem Schicksalsjahr 2008 ist der Anteil des Konsums am Bruttoinlandsprodukt nicht gesunken, sondern leicht gestiegen. Das Land lebt über seine Verhältnisse. Das zeigt die Handelsbilanz: Einnahmen aus Exporten stehen weit höhere Ausgaben für Importe gegenüber. Die Ungleichgewichte, die Amerika ins Straucheln brachten, bestehen fort.

Nach wie vor basiert der amerikanische Lebensstil auf Schulden. Zentralbanken in Asien und im Nahen Osten, die verhindern wollen, dass ihre Währung zu stark steigt, drucken Geld, kaufen damit US-Staatsanleihen und ermöglichen den Amerikanern so ein Leben auf Pump. Das Problem: Amerika verprasst das Geld. Es investiert zu wenig in Straßen, Schulen und neue Technologien. Dafür leistet es sich zu viele Einfamilienhäuser, Einkaufszentren und Kampfflugzeuge.

Mitt Romney

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