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US-Beratungsfirma Booz Allen Hamilton:Geschäft mit Staatsgeheimnissen

Edward Snowden war Mitarbeiter der US-Beratungsfirma Booz Allen Hamilton. Zu ihren Kunden gehört die NSA, zu ihrem Angebot Verschwiegenheit - eigentlich. Seit Snowden Staatsgeheimnisse der USA veröffentlicht hat, hinterfragen viele, ob private Firmen hochsensible Informationen verwalten dürfen.

Booz Allen Hamilton hat vor allem eines im Angebot: Verschwiegenheit. Denn das Beratungsunternehmen analysiert nicht nur Kosten, Risiken und Entscheidungen von Firmen und berät sie in Strategiefragen. Es entwickelt als eine der größten amerikanischen Beratungsfirmen zudem Abwehrsysteme gegen alle, die seinen Kunden gefährlich werden könnten. Zu Booz Allen Hamiltons Kunden gehören daher auch amerikanische Geheimdienste wie die National Security Agency (NSA).

"Wir tauschen wichtige Informationen aus und wandeln diese in Wissen um", beschreibt Booz Allen Hamilton seine Arbeit auf seiner Homepage. Das Unternehmen mit 24.500 Mitarbeitern "ermöglicht Firmen, riesige Datenmengen innerhalb von Wochen oder Monaten zu verarbeiten, zu interpretieren und zu nutzen". Es berät in Energie-, Finanz- und Gesundheitsfragen. Kunden sind: Unternehmen, Non-Profit-Organisationen - und eben staatliche Institutionen wie das US-Heimatschutzministerium. Für die Institution entwickelt Booz Allen Hamilton Technologien, um die USA vor terroristischen Angriffen zu schützen. Verschwiegenheit inklusive.

Geheimdienstdirektor Clapper arbeitete sechs Jahre für Beratungsfirmen

Ausgerechnet dies konnte Booz Allen Hamilton aber dem wichtigen Klienten NSA nicht bieten. Denn Edward Snowden, der 29-jährige Whistleblower, der die Überwachungspraktiken durch den US-Geheimdienst enthüllt hat, ist Mitarbeiter der Beratungsfirma.

"Schockierend" findet Booz Allen Hamilton das. "Sollten sich die Zeitungsberichte als wahr herausstellen, ist seine Handlung eine schwere Verletzung des Verhaltenskodexes der Firma und greift die Kernwerte unseres Unternehmens an", schreibt Booz Allen Hamilton auf der Internetseite. Bei den Ermittlungen gegen Snowden helfe man selbstverständlich.

Booz Allen Hamilton will offenbar kleinreden, was offensichtlich ist: Das Unternehmen kann eben nicht immer Verschwiegenheit garantieren. Der Fall Snowden stößt in den USA erneut die Debatte an, wie sinnvoll es ist, wenn private Beratungsunternehmen Zugang zu hochsensiblen Informationen des Staates haben.

Das Unternehmen und der Geheimdienst NSA sind nicht nur geschäftlich, sondern auch personell verwoben. James Clapper, der Nationale Geheimdienstkoordinator, war dem Guardian zufolge vor seiner Arbeit im Geheimdienst unter anderem bei Booz Allen Hamilton angestellt. "Ich habe sechs Jahre lang bei Beratungsfirmen gearbeitet. Ich weiß also ihren Beitrag zu schätzen", zitiert ihn die Zeitung.

Der Vize-Vorsitzende der Beratungsfirma wiederum, John Mike McConnell, war von 2007 an unter Ex-Präsident George W. Bush und kurzzeitig unter Präsident Barack Obama Geheimdienstdirektor. 2009 wechselte er zurück zu Booz Allen Hamilton. Dort ist er verantwortlich dafür, "den Geschäftszweig Cybersicherheit schnell auszubauen".