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UBS:Kurzes Gastspiel

Die Schweizer Großbank baut ihre Konzernleitung um. Auch Ex-Commerzbank-Chef Martin Blessing verlässt UBS - nach nur drei Jahren.

Blessing, Co-President of Global Wealth Management of Swiss bank UBS gestures during an interview with Reuters in Zurich

Martin Blessing, 56, kam vor drei Jahren von der Commerzbank zur UBS, wo er Anfangs als Kronprinz galt. Nun aber verlässt er das Haus bereits wieder.

(Foto: Arnd Wiegmann/Reuters)

Es sollte der große Sprung in Martin Blessings Karriere werden: Von der sanierungsbedürftigen Commerzbank wechselte der deutsche Banker 2016 zur Schweizer Großbank UBS. Dort übernahm er zunächst das Schweizgeschäft und stieg 2018 schließlich zum Co-Chef der weltweiten Vermögensverwaltung auf, der Paradedisziplin der UBS. Er hatte zeitweise sogar als Kronprinz gegolten, als Kandidat für die Nachfolge von Konzernchef Sergio Ermotti. Nun ist nach drei Jahren Schluss mit Blessings Traum vom Chefposten: Der 56-Jährige gibt zum 1. Oktober die Co-Leitung der Vermögensverwaltung ab, bis Ende des Jahres scheidet er ganz aus, teilte die UBS am Donnerstagmorgen mit.

Sein Nachfolger ist in der Schweizer Finanzwelt die eigentliche Sensation: Die UBS konnte Iqbal Khan gewinnen. Der 43-jährige Schweizer verantwortete bis Ende Juni die Vermögensverwaltung bei der Credit Suisse, der Nummer zwei in der Schweizer Bankenwelt. Seit einigen Jahren wird er als Hoffnungsträger der Branche gefeiert. Der gelernte Wirtschaftsprüfer hatte mehr als zehn Jahre als Berater für Ernst & Young gearbeitet, bevor er 2013 zur Credit Suisse wechselte. Dort wurde er 2015 mit nur 39 Jahren Mitglied der Geschäftsleitung und übernahm das Geschäft mit den Reichen und Superreichen. Er erzielte in kurzer Zeit glänzende Resultate: Das verwaltete Vermögen der Credit Suisse stieg deutlich an, das Ergebnis verbesserte sich, auch die Kosten hatte Khan im Griff. Doch nicht nur fachlich ist die Branche voll des Lobes über den jungen Top-Banker; er soll zudem auch ein umgänglicher und motivierender Chef sein, wie Schweizer Medien aus Mitarbeiterkreisen berichten. Ein idealer Kandidat also für die Nachfolge von Bankchef Tidjane Thiam, der Khan seit seinem Amtsantritt 2015 förderte.

Khan, CEO International Wealth Management of Swiss bank Credit Suisse speaks during Reuters Global Wealth Management Summit in Zurich

Iqbal Khan, 43, wechselt von der Credit Suisse zur UBS.

(Foto: Arnd Wiegmann/Reuters)

Seit Khan im Juni überraschend seinen Abschied von der Credit Suisse bekannt gab, vermuten einige Beobachter, dass es zum Bruch zwischen Mentor und Mentee gekommen ist. Womöglich, so munkelt man, hat Khan zu offensiv am Stuhl seines Chefs gesägt. Nun also der Wechsel zur Schweizer Nummer eins, und dort nicht irgendwohin, sondern in die Geschäftsleitung, als Co-Chef des wichtigsten Geschäftsbereichs. Damit gilt Khan auch bei der UBS als Kronprinz, wenn Ermotti vermutlich 2022 seinen Posten aufgibt.

Allerdings, das machte die UBS-Mitteilung auch klar, ist er nicht der einzige mögliche Kandidat für den Chefposten. Neben der Ernennung von Khan und dem Abschied von Blessing verkündete die Bank noch drei weitere Personalien: Vorstandsmitglied Ulrich Körner hört auf. Suni Hartford übernimmt für ihn die Leitung der UBS-Sparte Asset Management, deren Investmentchefin sie bisher war, und wird Mitglied der Konzernleitung. Und Sabine Keller-Busse, Chief Operating Officer, übernimmt von Körner die Rolle als Präsidentin für die Region Europa, Nahost und Afrika. Neben Iqbal Khan gibt es also noch zwei mächtige Frauen, die an die UBS-Spitze streben dürften. Leichtes Spiel wird der ehrgeizige Neuzugang also nicht haben - zumal er als Co-Chef der fusionierten Vermögensverwaltung eine nicht unkomplizierte Aufgabe übernimmt. Schon Blessing ist offenbar gescheitert, das Geschäft mit den Reichen in Schwung zu halten. Die Bank konnte gerade einmal so das untere Ende ihrer Wachstumserwartungen erfüllen, zum Beispiel mit Blick auf neue Kundengelder. Warum Blessing die Bank nach nur drei Jahren verlässt, dazu gibt es nun verschiedene Versionen. Während die einen sagen, er habe selbst entschieden, die Bank zu verlassen, weil es womöglich Probleme mit seinem Co-Chef gab, sagen andere, er habe seine Ziele nicht erreicht - und daher gehen müssen.

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