Türkei Lira verliert erneut massiv an Wert

  • Der drastische Kursverfall der türkischen Lira hat sich am Montag weiter fortgesetzt.
  • Präsident Erdoğan sprach am Wochenende von einer "Operation" gegen sein Land.
  • Am Montag will die türkische Regierung nun jedoch einen Plan vorstellen, der die Märkte beruhigen soll. Das kündigte Finanzminister Albayrak an.

Die türkische Währung Lira hat am Montag erneut massiv an Wert verloren. Im frühen asiatischen Handel fiel der Kurs gegenüber dem Dollar zeitweise um bis zu elf Prozent. Die Lira erreichte damit erneut einen historischen Tiefstand: Zwischenzeitlich mussten mehr als sieben Lira für einen Dollar und mehr als acht Lira für einen Euro gezahlt werden.

Die türkische Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan steht durch den Verfall der Währung massiv unter Druck. Seit Jahresbeginn hat die türkische Währung rund 40 Prozent an Wert verloren. Erdoğan hatte am Wochenende zunächst keine Pläne zur Lösung der Krise angekündigt, die sich am Freitag mit Kursverlusten von mehr als zwanzig Prozent zuspitzte.

Stattdessen verschärfte er den Ton gegenüber den USA und anderen westlichen Ländern und sprach von einer "Operation" gegen die Türkei. Die USA und andere Länder führten einen Krieg gegen die Türkei, sagte er bei einer Rede in der Provinz Rize im Nordosten des Landes. Dollar, Euro und Gold seien die "Patronen, Kanonen und Raketen" dieses Wirtschaftskriegs.

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In der Nacht zu Montag kündigte die türkische Regierung nun jedoch einen Plan an, der die Märkte beruhigen soll. Er soll am Montagmorgen präsentiert werden, sagte Finanzminister Berat Albayrak in einem Interview mit der Zeitung Hürriyet. "Von Montagmorgen an werden unsere Institutionen die notwendigen Schritte unternehmen und dies den Märkten mitteilen."

Die türkische Notenbank erklärte am Montag, sie werde den Banken jedwede Liquidität zur Verfügung stellen, die sie benötigten. Außerdem will die Türkei gegen negative Kommentare zur Wirtschaft in sozialen Netzwerken vorgehen. Entsprechende rechtliche Maßnahmen würden eingeleitet, teilte das türkische Innenministerium am Montag mit. Seit dem 7. August seien 346 Nutzerkonten auf sozialen Netzwerken ausgemacht worden, in denen der Verfall der Landeswährung Lira auf provozierende Art und Weise kommentiert wurde.

Streit um Auslieferung eines US-Pastors

Für den heftigen Kursverfall der Lira gibt es mehrere Gründe. Einer davon ist die wachsende Einflussnahme von Präsident Erdoğan auf die Zentralbank, die internationale Investoren seit Monaten beunruhigt. Hinzu kommen die anhaltend hohe Inflation sowie der Streit zwischen Washington und Ankara über den in der Türkei festgehaltenen US-Pastor Andrew Brunson. US-Präsident Donald Trump hatte zum wiederholten Male verlangt, die Türkei müsse ihn endlich freilassen. Türkische Zeitungen berichteten von einem Ultimatum bis kommenden Mittwoch. Die Türkei verlangt im Gegenzug bereits seit Längerem die Überstellung des in den USA lebenden türkischen Predigers Fethullah Gülen in die Türkei. Erdoğan beschuldigt Gülen, Drahtzieher des Putschversuchs vom Juli 2016 zu sein.

Präsident Trump verschärfte am Freitag die Situation, indem er neue Strafzölle gegen die Türkei ankündigte. Diese sind in der Nacht zu Montag wie geplant in Kraft getreten. Die USA verlangen auf den Import türkischen Stahls nun einen Zollsatz von 50 statt 25 Prozent.

Ökonomen warnen vor einer dramatischen Wirtschaftskrise in der Türkei. Clemens Fuest, Chef des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, rät dem Land dazu, Hilfen beim Internationalen Währungsfonds (IWF) zu beantragen. "Wir müssen uns massiv Sorgen machen", kommentierte Fuest im Handelsblatt vom Montag den jüngsten Absturz der Lira und die Wirtschaftsprobleme des Landes. Fuest sprach von einer "klassischen Wirtschafts- und Währungskrise". Die Ankündigung von US-Sanktionen gegen die Türkei, die seit Montagmorgen gelten, seien der "Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat".

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