Truth Social:Aussicht auf erfolgreichen Börsengang für Trump schwindet

Lesezeit: 2 min

Truth Social: Ex-US-Präsident Donald Trump hat Truth Social gegründet, nachdem ihn der Kurznachrichtendienst Twitter Anfang 2021 verbannt hatte.

Ex-US-Präsident Donald Trump hat Truth Social gegründet, nachdem ihn der Kurznachrichtendienst Twitter Anfang 2021 verbannt hatte.

(Foto: OLIVIER DOULIERY/AFP)

Truth Social sollte eigentlich ein Kontrapunkt zur angeblichen "Cancel Culture" werden. Das Unternehmen, das Trumps soziales Netzwerk an die Börse bringen will, ist allerdings erst mal umgezogen - zwischen Nagelstudio und Smoothie-Laden.

Von Kathrin Werner

Wenn der Mann recht hätte, der einst die große Macht hatte und sie dann verlor, ginge es hier um viel Geld und die reine Wahrheit. Oder zumindest um das, was er unter der Wahrheit versteht. Gerade läuft es allerdings nicht besonders gut für Truth Social, das soziale Netzwerk, das Donald Trump gegründet hat, um ihm zu helfen, mit seinen Jüngern direkt zu sprechen, nachdem der Kurznachrichtendienst Twitter sein Konto Anfang 2021 gesperrt hatte.

Von der Firma Digital World Acquisition Corp. (DWAC) haben die meisten Menschen noch nie gehört, selbst die meisten Trump-Jünger nicht. Doch sie hatte zum Ziel, Truth Social für sehr viele Millionen Dollar an die Börse zu bringen. Je mehr über DWAC nach außen dringt, desto unwahrscheinlich wirkt jedoch, dass das je klappt.

Zuletzt zum Beispiel ist die DWAC-Zentrale umgezogen. Die neue Adresse ergibt sich aus Meldungen an die US-Börsenaufsicht SEC: 3109 Grand Ave #450 in Miami. Die Grand Avenue ist allerdings nicht besonders großartig, und die neue Adresse nicht mehr als eine Filiale des Paketdienst UPS, die für DWAC offenbar das Postfach mit der Nummer 450 betreibt. Nebenan befinden sich ein Waschsalon, ein Smoothie-Laden, ein Nagelstudio und ein italienisches Restaurant. Zuerst gefunden hatte die neue Adresse die britische Zeitung Financial Times. Auf eine Bitte, den Umzug zu erklären, hat DWAC nicht reagiert.

Die Firma mit den Millionenplänen muss jedenfalls anscheinend Geld sparen, ein Postfach bei UPS kostet nicht mehr als ein paar Dollar am Tag. Mit Sparzwängen kennt sich Donald Trump aus, auch wenn es ihm meist nicht gelingt, Einnahmen zu erhöhen und Ausgaben zu reduzieren, schließlich sind in der Vergangenheit mindestens sechs seiner diversen Unternehmen in die Insolvenz gerutscht, etwa sein Casino-Hotel Taj Mahal in Atlantic City.

Etwa vier Millionen Leute folgen Trump auf der Plattform

Bei DWAC handelt es sich nicht direkt um ein Trump-Unternehmen, sondern um eine sogenannte Special Purpose Acquisition Company, kurz Spac, eine Mantelgesellschaft, die kein eigenes Geschäft betreibt, sondern nur zum Ziel hat, sich mit einem anderen Unternehmen zu verschmelzen und es so an die Börse zu bringen. Und dieses Unternehmen sollte die Trump Media & Technology Group (TMTG) sein, die Truth Social betreibt, die nach eigenen Angaben "Big-Tech-Alternative, die eine Oase der freien Meinungsäußerung ohne Meinungsdiskriminierung oder repressive Zensur schaffen will". Truth Social will ein Gegenpol zur sogenannten Cancel Culture sein.

Bislang ist die selbsternannte Oase aber verhältnismäßig klein. Trump hat bei Truth Social etwas mehr als vier Millionen Follower, bei Twitter waren es mehr als 80 Millionen. Die Börsenaufsicht SEC untersucht, ob es Regelverstöße bei der Verschmelzung des leeren Börsenmantels mit der Trump-Firma hinter Truth Social gab. Auch eine Grand Jury im Bundesstaat New York prüft, ob es deswegen ein Gerichtsverfahren geben soll.

Als Investoren im Dezember 2021 zusagten, eine Milliarde Dollar für den Börsengang bereitzustellen, jubilierte Trump noch: "Eine Milliarde Dollar ist eine wichtige Botschaft an Big Tech, dass Zensur und politische Diskriminierung ein Ende haben müssen." Amerika sei bereit für Truth Social. "Wenn unsere Bilanz wächst, wird TMTG in einer stärkeren Position sein, um sich gegen die Tyrannei von Big Tech zu wehren." Investoren haben nun schon mehr als 138 Millionen Dollar aus DWAC abgezogen, wie das Unternehmen der SEC kürzlich meldete. Die Aktie ist auf rund 17 Dollar eingebrochen von ihrem Höchststand von 97 Dollar im März.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusEnergiepreise
:Geschichte einer Abhängigkeit

Günstige fossile Energie war immer auch ein Erfolgsrezept der deutschen Industrie. Nun ist sie zu einem großen Risiko geworden. Wie es zur deutschen Energiekrise kam: eine Erklärung in Grafiken.

Lesen Sie mehr zum Thema