Textilindustrie in Bangladesch Textilindustrie hat die Macht

Bangladesch ist nach China der zweitgrößte Textilproduzent der Welt, und die EU ist der größte Handelspartner. Der bangladeschische Staat ist also auf die Textilkonzerne aus den Industrieländern angewiesen. Sie haben Macht! Ist es nicht längst an der Zeit, dass die westlichen Firmen endlich die Sozialstandards vorgeben anstatt nur die Abnehmerpreise?

Sie könnten für anständige Arbeitsbedingungen sorgen und sie haben die Verantwortung dazu. Es ist zu einfach, sich darauf zurückzuziehen, dass der Vertriebspartner mit einem unsauberen Subunternehmen vor Ort kooperiert hat, von dem man nichts wusste. Verantwortliches Wirtschaften ist das nicht.

Viele Fakten sind in den westlichen Management-Etagen bekannt. Die Tatsache etwa, dass Gesetze durch Korruption umgangen werden. Das fängt bei den Bauvorschriften an. Bauanträge werden in Bangladesch oft nur nach den eingereichten Plänen entschieden. Eine Begehung vor Ort gibt es oft nicht. Willkür und Betrug sind vorprogrammiert. Auch ein Gesetz, wonach Fabriken unabhängige Arbeitsinspektoren zulassen müssen, wird oft durch Bestechung ausgehebelt.

Arbeiter müssen für bessere Arbeitsbedingungen eintreten

Das im April eingestürzte Fabrikgebäude wurde illegal gebaut. Einen Brand- und Gebäudeschutz gab es nicht. Die Beschäftigten wurden sogar dann noch zum Weiterarbeiten angetrieben, als die Risse in den Wänden immer größer wurden. Das Unglück hätte vielleicht verhindert werden können, wenn westliche Firmen mit eigenen Mitarbeitern am Ort gewesen wären. Gute Lieferantenbeziehungen zeichnen sich dadurch aus, dass Werksbegehungen mit unabhängigen Experten jederzeit möglich sind. Dabei könnten Sicherheitsmängel aufgedeckt werden.

Eine EU-weite gesetzliche Offenlegungspflicht könnte ein erster Schritt sein. Unternehmen, die über Arbeits- und Umweltbedingungen in ihren Lieferketten berichten müssen, schauen genauer hin. Niedriglöhne in Zulieferbetrieben, unbezahlte Überstunden, gefährliche Arbeiten und Umweltschäden in den Produktionsländern könnten so zurückgedrängt werden.

Die Wut der bangladeschischen Arbeiter hat sich in dieser Woche in heftigen Protesten entladen. Zu Recht! Sie müssen auch selbst für bessere Arbeitsbedingungen eintreten. So wie das die Menschen in China vor drei Jahren getan haben. Sie haben sich gewehrt und damit einiges zum Besseren verändert.