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Automobilbranche:Bei Tesla läuft's

FILE PHOTO: Rows of the new Tesla Model 3 electric vehicles in Richmond

Tesla verkauft immer mehr Autos. Die anderen nicht.

(Foto: Stephen Lam/Reuters)
  • Während die Konkurrenten wie Daimler unter sinkenden Absatzzahlen und der Dieselkrise leiden, geht es Tesla immer besser.
  • Tesla schreibt schwarze Zahlen, Daimler gelingt der Einstieg in das Geschäft mit Elektroautos nur schleppend.

Manchmal erklären ein paar Kurven eine Geschichte am schnellsten: Die Absatzzahlen von Teslas Model 3 in den USA gehen steil nach oben. Die der vergleichbaren Fahrzeuge - 3er BMW, Audi A4, Mercedes C-Klasse, Lexus IS - laufen hingegen einfach so dahin, oder im Falle von Mercedes weisen sie sogar nach unten. Stagnation bei den Etablierten, Aufschwung beim Neuen: Die Abrechnung des dritten Quartals in der Autoindustrie zeigt deutlich wie nie zuvor, dass sich die seit Jahren gleichbleibenden Kräfteverhältnisse verschieben könnten. Übrigens auch, was die Antriebsarten anbelangt, auf Elektromotoren setzt der Neue, auf Verbrennerantriebe die anderen noch.

Von einem "wahrlich historischen Vierteljahr" spricht jedenfalls Elon Musk, der Tesla-Chef. Was nicht nur am Absatz liegt, sondern auch am Betriebsergebnis: Erstmals seit mehr als zwei Jahren hat Tesla wieder schwarze Zahlen geschrieben, das dritte Mal überhaupt erst in der Unternehmensgeschichte: Unter dem Strich stand ein Überschuss von 312 Millionen Dollar. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von rund 619 Millionen Dollar angefallen. Das ist angesichts aus der produktionstechnischen Perspektive bemerkenswert: Lange war Tesla geplagt von massiven Anlaufschwierigkeiten bei dem sogenannten Model 3. Zwischenzeitlich verlegte Musk - der sich auch als Obermechaniker versteht - deshalb sogar sein Büro in die Fabrikhalle. Und dann schien es der Exzentriker im Sommer ganz persönlich zu weit getrieben zu haben: Er beschimpfte Analysten und Medien, mitunter offenbar nach Genuss eines Joints, und wollte Tesla von der Börse nehmen. Als die US-Börsenaufsicht intervenierte, schien sein Lebenswerk gefährdet. Und jetzt - scheint doch alles zu funktionieren. Für den Moment zumindest. 5300 Model 3 seien zuletzt pro Woche aus den Fabriken gekommen, schreibt Musk an seine Aktionäre. Eine tatsächlich veritable Anzahl.

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Der Branchenanalyst der NordLB, Frank Schwope, hält die Aktie immer noch für überbewertet, wartet noch auf ein ganzes Jahr mit schwarzen Zahlen. Er hält Musk weiter nicht für den idealen Chef, ist immer noch irritiert über die hohe Fluktuation beim Tesla-Management. Aber er sagt auch: "Ich bin positiv überrascht von diesen Zahlen!" Jetzt müsse Tesla halt noch ein ganzes Jahr schaffen, 2019 könnte das sogar möglich sein. Sein Kollege Arndt Ellinghorst von der Analysefirma Evercore ISI formuliert es so: "Wer jetzt noch glaubt, dass es ein Strohfeuer ist, wird sein blaues Wunder erleben."

Und Ellinghorst beschreibt die Bedrohung für die deutschen Hersteller, die in den USA gemeinsam mit der Marke Lexus das sogenannte Premiumsegment noch beherrschen: Das Model S von Tesla verkaufe sich besser als die entsprechenden Modelle von Audi, BMW und Mercedes zusammen. Tesla habe im dritten Quartal 70 000 Fahrzeuge in den USA verkauft. Das ist - mit nur drei Modellen - fast so viel wie Mercedes und BMW, die jeweils etwas mehr als 80 000 Wagen verkaufen. Ellinghorsts Fazit: "Tesla dominiert jedes Segment, in dem es aktiv ist." Zumindest in den USA.

Und 2019 soll das Model 3 nach Europa kommen. Ob Daimler schon Angst hat, dass auch im Heimatmarkt die C-Klasse abstürzt? Finanzvorstand Bodo Uebber versuchte den Erfolg von Musk am Donnerstag ins Positive zu wenden, als er wenige Stunden nach dem kalifornischen Wettbewerber die Daimler-Quartalszahlen vorlegte: "Uns freut, dass Tesla ein gutes Ergebnis gemacht hat, das stimmt uns positiv für unsere eigene Elektro-Strategie." Der Erfolg des Model 3 sei "ein Ansporn, unsere E-Strategie konsequent umzusetzen".

Wobei die erst zaghaft anläuft. Erst im kommenden Jahr bringt die Marke Mercedes ihr erstes rein elektrisch betriebenes Modell namens EQC auf den Markt. Das allerdings ist ein hochwertiges SUV, das nicht in Konkurrenz steht zu dem wohl 35 000 Euro teuren Mittelklasse-Tesla.

Daimler musste dagegen zweimal Gewinnprognose zurückschrauben

Der zunehmende Wettbewerb ist nur ein weiteres von sehr vielen Problemen, mit denen sich Daimler-Chef Zetsche in den vergangenen Monaten herumschlagen musste. Er tritt im Mai ab, ihm folgt Ola Källenius. Zweimal innerhalb von vier Monaten mussten die Schwaben ihre Gewinnprognose zurückschrauben, vor allem weil Mercedes nur noch 560 000 Autos im Quartal verkaufte. Das sind einerseits acht Mal so viele Fahrzeuge wie Tesla, aber es ist andererseits ein deutlicher Rückgang um acht Prozent. Vor allem in Europa und in den USA ging der Fahrzeugverkauf zurück und der Vorsteuergewinn fiel um ein Viertel auf 2,5 Milliarden Euro.

Die Liste der Gründe für die Talfahrt ist sehr lang. Vieles davon seien "Managementfehler", sagt Analyst Schwope. Für die chinesischen Strafzölle auf Mercedes-Autos, die aus den USA kommen, kann Daimler nichts, diese drücken aber schwer auf die Margen im wichtigen Markt China. Auch eine schwache Nachfrage nach Bussen in einigen Regionen kann Daimler nur schwer beeinflussen. Aber die kostspieligen Nachwirkungen der Dieselaffäre haben sich die Stuttgarter schon selbst zuzuschreiben. Sie müssen angeordnete Auslieferungsstopps und Software-Updates für zurückgerufene Fahrzeuge verkraften. Zudem hat sich Daimler schlecht vorbereitet auf die neuen Abgastests namens WLTP, was zu Verzögerungen führt. All das kostet den Konzern laut Uebber einen "mittleren dreistelligen Millionenbetrag".

Wie man das alles zusammenfasst als Konzern: "Die Automobilindustrie und damit auch Daimler befinden sich weiterhin in einem sehr herausfordernden Umfeld", so formuliert es Daimler-Chef Dieter Zetsche. Aber er hofft, dass die Kurven wieder nach oben gehen. Mercedes-Autos seien "nach wie vor" sehr nachgefragt. Das sagen sie bei Tesla über ihre Fahrzeuge auch.

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