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Nach Corona:Zeit für den Aufguss

Abwarten und Tee trinken, das passt auch zu Corona-Zeiten.

(Foto: Clay Banks/Unsplash)

Eine Frage, eine Antwort: Trinken die Deutschen während der Pandemie mehr Tee?

Von Katharina Kutsche, Hannover

Es ist bisher nicht eindeutig geklärt, wer die Redewendung "Abwarten und Tee trinken" in Umlauf gebracht hat. Manche nennen einen kräuterkundigen Schäfer aus Niedersachsen, der seine Heilkarriere im 19. Jahrhundert begann, als Quelle. Der Spruch sollte jedenfalls eine Mahnung an ungeduldige Kranke sein, sich in Ruhe zu erholen und gesunde Kräutertees zu genießen. So gesehen, passt Tee durchaus zu der Pandemie, denn Geduld ist nach wie vor sehr gefragt.

Für die Teebranche könnte sich das lohnen. Sowohl im Handel als auch im Vertrieb habe es Zuwächse gegeben, sagt eine Sprecherin des Deutschen Tee-und-Kräutertee-Verbands. Zahlen für die gesamte Branche liegen derzeit zwar noch nicht vor. So müssen die Einbrüche im Geschäft durch geschlossene Hotels und Restaurants gegengerechnet und Lieferprobleme etwa aus Indien, Sri Lanka und China berücksichtigt werden. Ein Trend sei trotzdem erkennbar.

Schon im September 2020 konnte der Verband in seinem Tee-Report auf eine spürbar anziehende Nachfrage im Corona-Jahr verweisen, vor allem beim Schwarz- und Grüntee. Die im Übrigen als der wirkliche Stoff gelten: Tee ist per Definition das, was aus der Teepflanze Camellia sinensis gewonnen wird, aus Blättern, Blattknospen oder Stielen, getrocknet oder fermentiert. Alle anderen Varianten, vom Gute-Nacht-Tee bis zur "Sylter Rote Grütze"-Mischung, fallen unter den Begriff Kräuter- und Früchtetee.

Allheilmittel und Wohlfühlfaktor

Der Grund für den Zuwachs: Der Branchenverband geht davon aus, dass viele Menschen in Lockdown und Home-Office mehr Zeit für den gepflegten Aufguss zum Frühstück oder zwischendurch hatten. Eine weitere Erklärung ist, dass mehr Menschen auf gesunde Ernährung und eine gute Immunabwehr achten - Tee als Allheilmittel und fürs Wohlgefühl geht immer. Generell aber trinken die Deutschen schon länger viel Tee. 2019 waren es 68 Liter pro Kopf, Mischungen sind beliebter als Monosorten, schwarzer Tee populärer als die grüne Variante.

Auch bei den Nachbarn jenseits des Ärmelkanals ist der Corona-Effekt spürbar. So ergab eine Studie der UK Tea and Infusions Association, dass während des Lockdown insbesondere junge Menschen zwischen 18 und 34 Jahren das Heißgetränk neu für sich entdeckt hätten. 40 Prozent von ihnen trinken nun eher Tee als vorher, 90 Prozent wollen diese Angewohnheit auch nach der Pandemie beibehalten. Weltmeister im Teetrinken sind übrigens die Ostfriesen. Sie schaffen 300 Liter Schwarz- und Grüntee pro Kopf im Jahr und liegen damit vor den Iren und den Briten.

© SZ
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