Supermarkt Ich brauche noch Bargeld bitte!

Geschäfte im Supermarkt: die Waren aufs Band, bezahlt wird bei der Kassiererin - so war das viele Jahrzehnte lang. Jetzt bekommen die Kunden an immer mehr Kassen auf Wunsch sogar Geld ausgezahlt.

(Foto: Oliver Berg/dpa)
  • In ländlichen Regionen ist die Suche nach einem passenden Geldautomaten oft mühselig.
  • Doch es gibt eine gute Alternative - sogar mit langen Öffnungszeiten: Fast alle Supermarktketten bieten den Kunden an, ab einem bestimmten Einkaufswert kostenlos Bargeld abzuheben.
  • Bei Aldi-Süd etwa liegt die Grenze nur noch bei zehn Euro, bei Rewe bei 20 Euro.
Von Carolin Jackermeier

Bares am Schalter, damit soll in vielen Banken Schluss sein. In immer mehr Filialen können Kunden ihr Geld nur noch am Automaten abheben. Anfang September stellte zum Beispiel die Sparkasse Bochum ihr System um. Die Banken verändern ihren Service unter anderem aus Sicherheitsgründen, wie der Sparkassenverband mitteilt. Gleichzeitig ging die Zahl der Bankautomaten in den vergangenen zwei Jahren bundesweit von 61 100 auf 58 400 zurück.

Die Suche nach einem Automaten kann gerade auf dem Land mühselig sein. Außerdem fallen bei einigen Geldhäusern Gebühren beim Abheben an. Aber es gibt eine Alternative, um an Bargeld zu gelangen: die Supermarktkasse. Fast alle großen Ketten bieten den Kunden an, ab einem bestimmten Einkaufswert kostenlos Bargeld abzuheben. Während der Betrag beim Pionier Rewe noch bei 20 Euro liegt, sind es bei dm und Aldi-Süd nur noch zehn Euro. Bei Edeka sind es je nach Laden mal zehn, mal 20 Euro. Auch Lidl ist Ende August eingestiegen, während Aldi-Nord als einer der wenigen noch zögert. Cashback heißt das Auszahlungs-System. Obwohl der Service für Kunden bequem und kostenlos ist, nutzen ihn noch immer nicht viele.

Womöglich kaufen Kunden etwas mehr ein, um sich Bares auszahlen lassen zu können

Das bestätigt eine Studie der Bundesbank zum Zahlungsverhalten der Deutschen. 7380 Euro Bargeld heben die Befragten durchschnittlich pro Jahr ab. 84 Prozent davon am Automaten und immerhin noch 14 Prozent am Schalter. Lediglich zwei Prozent des Bargelds lassen sich die Befragten an der Kasse auszahlen. Der Anteil hat sich innerhalb der vergangenen Jahre kaum verändert.

Für Händler ist es trotzdem praktisch, den Service anzubieten. Unter Umständen kaufen Kunden etwas mehr ein, um auf den Mindestbetrag zu kommen, der für das Abheben nötig ist. Die Gebühren, die die Märkte übernehmen, sind auf etwa 20 Cent pro 100 Euro gesunken. Mehrere Anbieter teilen auf Anfrage mit, dass das Angebot zunehmend angenommen wird. 78 Prozent der Deutschen haben jedoch noch nie an der Supermarktkasse Geld geholt, wie eine Studie im Auftrag des Marktwächters Finanzen in der Verbraucherzentrale Sachsen zeigt. Nur zwei Prozent heben regelmäßig einmal pro Woche Geld ab. Bei Bankautomaten sieht es anders aus: 38 Prozent der Befragten holen dort jede Woche Scheine. Ulrich Binnebößel, Finanzexperte des Handelsverbands, erwartet, dass sich das in der Zukunft ändern wird. "Es ist damit zu rechnen, dass Kunden den Auszahlungsservice in Supermärkten stärker nutzen werden, gerade vor dem Hintergrund eines schrumpfenden Filialnetzes der Banken", sagt er.

Auch das Start-up Barzahlen.de sieht Potenzial im Geldgeschäft an der Kasse. Die Firma bietet Kunden die Möglichkeit Scheine abzuheben - allerdings ohne Mindesteinkaufswert und ohne Karte. Barzahlen hat verschiedene Banken als Partner, die die Gebühren für den Service übernehmen. Über die Website wird ein Barcode generiert, den die Kunden mit dem Smartphone an der Kasse vorzeigen und direkt ihr Geld vom Girokonto ausgezahlt bekommen. Auf diese Weise bietet das Unternehmen auch das Bezahlen von Onlineartikeln in bar an der Kasse von teilnehmenden Märkten an. Sogar die Arbeitsagentur zahlt mit Barzahlen über die Codes teilweise Vorschüsse in Notsituationen aus.

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