Studie über Anlagestrategien Immobilienmärkte schwanken vergleichsweise wenig

Anleger können also viel Geld verlieren, nicht nur die Fans von Steuersparmodellen für Ost-Immobilien haben diese Erfahrung machen müssen. Wer sich finanziell übernimmt, kann sich mit dem Hauskauf schnell ruinieren. Auch in diesen Zeiten, da die Zinsen niedrig sind. Denn die Kreditkosten werden irgendwann wieder steigen. "Finanzierungen, die unter den aktuellen Rahmenbedingungen angemessen erscheinen, könnten sich dann als nicht nachhaltig herausstellen", sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch vor Kurzem und gab den Rat, ausreichend hohe "Risikopuffer" aufzubauen.

Man muss also wissen: Die Häuserpreise mögen nach Aussage der Studie langfristig steigen, aber sie tun das längst nicht überall, wie die aktuellen Entwicklungen in einigen dünn besiedelten Regionen Deutschlands zeigen. Und sie steigen auch nicht ununterbrochen, wie die jahrelange Stagnation der Preise hierzulande von den Neunzigern an bis 2010 gezeigt hat.

Jeder nationale Immobilienmarkt ist ein Politikum

Erst wenn man wie die Forscher 145 Jahre zurückgeht und sich die Daten vieler Länder anschaut, schält sich der überraschend klare internationale Trend heraus: Die Immobilienmärkte schwanken vergleichsweise wenig und werfen tendenziell viel ab. Dafür gibt es mehrere Gründe. In einer Immobilienkrise bieten Eigentümer ihr Haus selten zum Verkauf an: Entweder sie bleiben drin wohnen oder vermieten es weiter. Weil dadurch viel weniger Immobilien gehandelt werden als in Boomzeiten, purzeln die Marktpreise nicht so stark wie etwa bei fallenden Aktienmärkten.

Außerdem sei jeder nationale Immobilienmarkt ein Politikum, sagt Schularick. Ein kompletter Kollaps der Häuserpreise würde die kreditgebenden Banken mit in die Pleite reißen - Regierungen schritten daher ein, wenn die Krise am Immobilienmarkt zu gefährlich würde. "Die stabilen Mieteinnahmen scheinen aber der entscheidende Faktor zu sein, dass sich Häuserinvestments so sehr lohnen", sagt der Wissenschaftler. Weil in Zeiten von Rezessionen weniger gebaut werde, seien die Mieteinnahmen zudem relativ stabil.

Schularick hat es nach Ausbruch der Finanzkrise 2008 zu akademischer Berühmtheit gebracht. Ihn faszinierte der Gedanke, ökonomische Probleme historisch zu untersuchen.Zusammen mit einem Kollegen arbeitete er sich in Bankdaten ein, die bis ins Jahr 1880 zurückreichten. Er konnte danach eindrücklich belegen, dass große Crashs immer wieder durch exzessive Kreditvergabe der Banken verursacht wurden.

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