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Strukturwandel in Bochum:Nokia ist noch heute ein Trauma

Radwege im Rurgebiet

Stahl und Kohle, das war einmal. Nun fürchten sie auch noch die Schließung des Nirosta-Edelstahlwerkes von Thyssen-Krupp mit 450 Beschäftigten.

(Foto: dpa)

Und Opel? Ach Opel. Mit einer Handbewegung wischt Scholz das Thema beiseite, als hätte sie es schon abgehakt. Gewerbesteuern bekommt die Stadt von ihrem größten privaten Arbeitgeber schon lange nicht mehr. Das war damals bei Nokia viel schlimmer. Da waren der Kommune über Nacht 25 Millionen Euro an Steuereinnahmen weggebrochen. Nokia ist noch heute ein Trauma für diese Stadt.

Und plötzlich, ganz unvermutet, fragt sie: "Kennen Sie den Steiger Award?"

Die Idee für diesen Preis, der seit 2005 jedes Jahr im März verliehen wird, hatte der Medienberater Sascha Hellen. Der 34-Jährige stürmt zum verabredeten Termin ins Café und fragt erst mal nach einer Steckdose für sein ermattetes Handy. Hellen ist einer von diesen Hyperaktiven, die problemlos ihre Smartphones leerquatschen. Man kann seinen Stakkato-Sätzen kaum folgen. Aber das ist schnell klar: Hellen tut viel für seine Heimatstadt. Bochum sollte ihn als Image-Pfleger bezahlen.

Sehnsucht nach positiven Schlagzeilen

Hellen war mal Journalist, dann Pressesprecher bei der Unesco in Bonn, später organisierte er für Paul McCartney und dessen frühere Ehefrau Heather Mills eine Kampagne gegen die tödlichen Gefahren von Minenfeldern. Für die Stiftung des Sängers Peter Maffay veranstaltet er Symposien. In seinem iPhone sind die Nummern von Israels Präsidentem, Shimon Peres, vom südafrikanischen Bischof Desmond Tutu, von Carlos Santana, Michael Gorbatschow oder dem Dalai Lama gespeichert.

Den Steiger Award, ein in eine Kristallkugel eingearbeitetes Kohlestück, haben Menschen wie der Theologe Hans Küng bekommen, Afghanistans Präsident Hamid Karsai, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso oder die Schauspielerin Claudia Cardinale. Die Auszeichnung ist nicht dotiert, aber für Bochum ist sie Gold wert.

Einmal im Jahr kann sich die Stadt positiver Schlagzeilen sicher sein. Es sei denn, der Preis wird, wie in diesem Jahr, an den türkischen Ministerpräsidenten Racep Erdogan verliehen. Da gab es Kritik. Zum Glück für Bochum hat Erdogan abgesagt, wegen anderer Termine. "Bochum muss sich nicht verstecken", sagt Hellen. "Die Stadt ist mehr als Opel und Nokia."

Exzellenz für Bochum

Also auf dorthin, wo neue Jobs entstehen - zur Ruhr-Universität im Süden der Stadt. Auf dem riesigen Campus reihen sich lange Betonbauten nebeneinander. Man könnte denken, dass die Stadtväter damals, bei der Gründung vor 50 Jahren, mit der Universität nicht viel zu tun haben wollten - und sie an den Rand verdrängten. Schön ist sie nicht. Aber die Bochumer haben ihre RUB inzwischen schätzen gelernt. Die Universität macht Bochum jünger, der Campus ist ein Ort der Hoffnung.

Kann der Rektor die Erwartungen erfüllen, die auf der Hochschule ruhen? Elmar Weiler, der in der kommenden Woche 63 Jahre alt wird, ein schlanker Herr mit kreisrunder Hornbrille und Charakterkopf, ist Biologe, genauer: Professor für Pflanzenphysiologie. Die Forschung hat er nach der Wahl zum Rektor an den Nagel gehängt.