bedeckt München
vgwortpixel

Steuerhinterziehung in Deutschland:47.000 Briefe ans Finanzamt

Uli Hoeneß

Uli Hoeneß, Bayern-Boss und Selbstanzeiger

(Foto: dpa)

Schwarzgeldkonten im Ausland sind weit verbreitet: Zehntausende Deutsche haben sich einem Bericht der "Zeit" zufolge seit Anfang 2010 selbst angezeigt. Eine Garantie, ohne Strafe davon zu kommen, bietet dieser Schritt aber nicht.

47.293 Menschen haben es gemacht wie Uli Hoeneß. So viele Menschen zeigten sich außer ihm sich seit Anfang 2010 selbst an, um unversteuertes Vermögen im Ausland zu melden. Das hat die Wochenzeitung Die Zeit in einer Umfrage unter deutschen Steuerbehörden herausgefunden. Demnach zahlten die Selbstanzeiger in diesem Zeitraum rund 2,05 Milliarden Euro an die Finanzämter nach.

Der Präsident des Fußballklubs FC Bayern München hatte sich im Januar selbst wegen seiner Millionen in der Schweiz angezeigt. Kurzzeitig war er sogar festgenommen worden. Gegen Zahlung einer Kaution von fünf Millionen Euro wurde der Haftbefehl nach SZ-Informationen außer Kraft gesetzt. Unklar ist zudem, ob es einen Zusammenhang zwischen einer Millionen-Überweisung des damaligen Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus an Hoeneß aus dem Jahr 2000 und dem Einstieg des Sportartikelkonzens in die Bayern München AG im folgenden Jahr gibt.

Hoeneß hatte von seinem Freund Louis-Dreyfuß fünf Millionen Mark erhalten, angeblich für Spekulationsgeschäfte. Zudem hatte der Franzose für einen Kredit an den heute 61-Jährigen über weitere 15 Millionen Mark gebürgt.

Mit einer rechtzeitigen und vollständigen Selbstanzeige ist es grundsätzlich möglich, empfindliche Strafen bis hin zur Haft abzuwenden. Allerdings ist dies keineswegs garantiert. Wer etwa schon im Visier der Steuerfahnder ist, kann zu spät dran sein.

"Die Selbstanzeige ist dann wirkungslos, sie kann nur noch strafmildernd wirken", sagt der Steuer-Experte Lenhard Jesse von der Universität Potsdam. Seit 2011 gibt es zudem bei Selbstanzeigen eine Obergrenze von 50.000 Euro. Ab diesem Betrag kommen auch bei rechtzeitiger Selbstanzeige zu nachgeforderten Steuern und Zinsen noch fünf Prozent der Steuersumme als Strafe hinzu.

Sind die Voraussetzungen für Straffreiheit oder Einstellung des Verfahrens nicht gegeben, kann Steuerhinterziehung auch eine Haftstrafe zur Folge haben. Die drohen vor allem bei Summen von mehr als einer Million Euro - wie im Fall von Uli Hoeneß.