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Benzin und Diesel:Wie die CO₂-Steuer die Tankrechnung erhöht

Bautzen - Nochmal voll machen - Ansturm auf Tankstellen an Silvester 31.12.2020 gegen 15 Uhr Bautzen, Rosenstraße (T-Tan

Am 31. Dezember war an dieser Tankstelle in Bautzen noch richtig viel los - bevor Stunden später der neue CO₂-Preis Benzin und Diesel verteuerte.

(Foto: Erik-Holm Langhof/Imago)

Die neue Kohlendioxid-Abgabe soll die Spritpreise in den kommenden Jahren steigen lassen. Wie stark erhöht das die Tankrechnung - und wie sehr fördert es ökologische Vernunft?

Von Hendrik Munsberg, München

Was ist an Deutschlands Tankstellen los? Seit Jahresanfang sind Super und Diesel deutlich teurer geworden. Aber es ist schwierig, den Überblick zu behalten, weil die Ölfirmen unverdrossen ihr Sprit-Roulette spielen - weiterhin muss man je nach Tageszeit an derselben Tankstelle höchst unterschiedliche Preise zahlen. Folgt das Verwirrspiel jetzt etwa neuen Regeln? Nein, so viel Kontinuität dürfte bleiben: Zwischen 18 und 22 Uhr wird der Spartrieb wohl auch künftig viele Menschen zu den Zapfsäulen drängen, gefühlt überwiegend Männer.

Neu ist, dass zum Jahreswechsel eine Abgabe auf Kohlendioxid im Verkehrssektor in Kraft trat, seither steigen die Preise an den Zapfsäulen auch im bundesweiten Durchschnitt spürbar. Zudem wurde die Mehrwertsteuer wieder von 16 auf den alten Stand von 19 Prozent angehoben. "Beides zusammen", so ein Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes, "bedeutet zehn bis elf Cent höhere Kosten je Liter Kraftstoff." Aber können die Tankstellenbetreiber das einfach so an die Autofahrer weiterreichen?

Bisher offenbar nicht ganz. Musste man für den Liter Super E5 Ende Dezember noch 1,324 Euro zahlen, so waren es, Stand Mittwoch, im Bundesdurchschnitt 1,398 Euro - ein Aufschlag von immerhin gut sieben Cent binnen zweier Wochen. Diesel verteuerte sich im selben Zeitraum auf 1,23 Euro, also um knapp sieben Cent. "Aufgrund des harten Wettbewerbs" seien bisher die "Kostenerhöhungen nicht in vollem Umfang an die Autofahrer weitergegeben" worden, so der Verbandssprecher. Was nicht ist, kann ja noch kommen.

Mit der neuen CO₂-Abgabe verspricht der Staat, Ernst beim Klimaschutz zu machen und den Kohlendioxid-Ausstoß im Verkehrssektor zu drosseln. Der steht auf Platz drei der Klimasünder, hinter Stromerzeugung und Industrie. Seit Januar ist für jede Tonne CO₂ ein Aufschlag von 25 Euro fällig, der bis 2025 auf 55 Euro angehoben wird. Dem ADAC zufolge kostet dann wahrscheinlich jeder Liter Benzin 15 Cent mehr als Ende 2020, bei Diesel sei ein Aufschlag von 17 Cent zu erwarten. Genau vorhersagen will und kann das aber keiner, weil der Spritpreis auch vom Dollarkurs und vom Ölpreis abhängt, Letzterer ist seit Jahresbeginn deutlich gestiegen. Vor allem aber hat die Corona-Krise auch in Deutschland die Nachfrage gedrosselt, weshalb 2020, wie sich der ADAC freute, so billig getankt werden konnte, wie lange nicht mehr.

Interessant ist aber, wie die Spritrechnung steigt, wenn sich Benzin und Diesel von Ende 2020 bis 2025 exakt um 15 beziehungsweise 17 Cent verteuern würden, wie es der ADAC vorrechnet, um nur den Preiseffekt der CO₂-Abgabe zu illustrieren. Eine Tankfüllung mit 50 Litern Diesel würde dann nicht mehr 58,15 Euro kosten, sondern 66,65 Euro, bei Super E5 wäre es ein Anstieg von 66,20 auf 73,70 Euro. Und wer mit seinem Diesel im Jahr 15 000 Kilometer zurücklegt und dabei mit sechs Litern Durchschnittsverbrauch auskommt, müsste nicht 1046,70 Euro zahlen, sondern 153 Euro mehr. Ein Fahrer dagegen, dessen Bleifuß dasselbe Auto mit im Schnitt zehn Liter Dieselkonsum antriebe, hätte eine um 255 Euro höhere Jahresrechnung, macht 21,25 Euro im Monat. Ob das die ökologische Vernunft anregt?

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