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Spiele:Wenn Träume nicht zerplatzen: Das Geschäft mit Seifenblasen

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Tübingen (dpa) - In der Kunst stehen sie für Vergänglichkeit, in der Mathematik bewundert man ihren Minimalismus und für Kinder sind sie ein lustiger Zeitvertreib: Seifenblasen. Anbieter des uralten Kinderspiels gibt es viele. Eine besonders bekannte Rezeptur lieferte vor 75 Jahren ein Unternehmen aus Tübingen, das bis heute bekannt ist: Pustefix. Die Idee für die Marke wurde aus der Not geboren.

Eigentlich wollte Firmengründer Rolf Hein 1948 Waschmittel an die Haushalte bringen, wie Pustefix-Geschäftsführer Armin Christian berichtet. Die Pläne des promovierten Chemikers seien aber von großen Konzernen mit günstigeren Preisen durchkreuzt worden. "Dadurch kam Hein in Not und musste sich etwas anderes für seine Rezeptur überlegen", so der 45-Jährige.

Beim Experimentieren mit seinem Waschmittel habe sich gezeigt, dass es sich perfekt für Seifenblasen eignet. "Und so ist er auf die Idee für Pustefix gekommen." Das ist in diesem Juni genau 75 Jahre her.

Die erste Dose habe noch aus Aluminium, einem Stahlstift, einer Feder und einem Blasring mit Kork-Deckel bestanden. Die Seife sei noch per Hand aus einer Kaffeekanne abgefüllt worden. Heute würden die Seifenblasen-Spiele natürlich vom Band kommen, aus Tübingen.

Die Rezeptur ist streng geheim

Die Rezeptur fuße nach wie vor auf dem Ursprungskonzept des Erfinders. "Die Vorgaben zur Spielzeugsicherheit haben sich über die Jahrzehnte geändert, deshalb musste auch die Rezeptur immer wieder punktuell angepasst werden", so Christian. Die Richtlinie für Spielzeugsicherheit gibt die Europäische Union vor.

Neben Pustefix gibt es auch andere Anbieter von Seifenblasen aus der Dose. Konkrete Zahlen für das Segment gibt es laut dem Deutschen Verband der Spielwarenindustrie (DVSI) nicht. In Deutschland sei Pustefix quasi ein Synonym für Seifenblasen, sagt DVSI-Geschäftsführer Ulrich Brobeil. Im Handel spielten auch Eigenmarken, Importe aus Asien und Lizenzprodukte eine Rolle. Der Markt sei stabil und krisenfest. "Seifenblasen sind beliebt und wecken positive Emotionen", so Brobeil.

Die Rezeptur für die Seifenblasen von Pustefix sei streng geheim, sagt der Chef. Wasser sei natürlich drin und Seife. "Und ein Verdickungsmittel, um die Seifenblasen entstehen zu lassen." Seifenblasen an sich seien nichts Neues gewesen, sagt Christian. Aber die Flüssigkeit abzufüllen und fix für das Pusten fertig zu machen, das sei neu bei den Spielwaren gewesen. Daher auch der Name Pustefix.

Nicht nur bei Kindergeburtstagen gefragt

Zum Maskottchen habe der Erfinder den Teddybären seiner Kinder gemacht. Den Vertrieb übernahm damals noch der Chemiker selbst. Zunächst habe er in Tübingen und dem Umland sein Produkt verkauft. Später wuchs die Kundschaft auch außerhalb des Schwabenlandes an, ab den 70er-Jahren wurde das Geschäft immer internationaler. Am Design der Dose habe sich in den vergangenen 75 Jahren kaum etwas geändert. "Wir wollten den Wiedererkennungswert immer beibehalten."

Der Kinder-Klassiker sei bei den Kunden hoch im Kurs, heißt es vom Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS). Gefragt seien die Seifenblasen auf Kindergeburtstagen oder auf Hochzeiten. Die Faszination dafür habe sich über Generation hinweg erhalten, sagt BVS-Geschäftsführer Steffen Kahnt.

Seifenblasen mit ihrer perfekten runden Form sind auch ein gefragtes Forschungsobjekt in der Wissenschaft. Aktuell seien Seifenhäute eine beliebtes Forschungsfeld, sagt Professor Daniel Grieser von Institut für Mathematik an der Universität Oldenburg. Die perfekte Form der schwebenden Kugeln fasziniere auch in der Mathematik.

Viele Anbieter aus Asien

Dass der Spieleklassiker beständig ist, belegen auch die Absatzzahlen von Pustefix, die in den vergangenen Jahrzehnten konstant gewachsen sind. Wörter wie "Boom" oder "Krise" höre man in seinem Segment selten, sagt Christian, der seit vielen Jahren beim Unternehmen ist. "Wir machen nicht die großen Hypes mit, aber wir gehen auch nicht durch die ganz tiefen Täler."

Das Unternehmen gehört mittlerweile zur Carrera-Revell Gruppe. Auf dem Massenmarkt sieht Christian noch Wachstumspotenzial, obwohl sich dort viele Anbieter, hauptsächlich aus Asien, tummeln. Das Unternehmen setze auf die Marke und verdiene etwa auch mit dem Lizenzgeschäft oder dem Werbeartikelmarkt. Etwa fünf Millionen Dosen seien im vergangenen Jahr verkauft worden.

Eine Seifenblase halte um die 30 Sekunden, je nach Wetterbedingungen, so Christian. "So ein feuchtes Wetter wie in den vergangenen Wochen ist natürlich perfekt." Die Seifenblase sei sehr sensibel.

© dpa-infocom, dpa:230524-99-804568/2

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