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Spiele-Programmierer:Zynga-Verluste lassen Facebook-Aktie abstürzen

Wer Zeit totschlagen will, kann auf Facebook Kühe züchten und Möhren aussäen. Mit Spielen wie "Farmville" verdient die Entwicklerfirma Zynga ihr Geld. Doch jetzt macht sie Verluste. Die Aktie stürzt um 40 Prozent ab - Facebook, der wichtigste Partner, gleich mit.

Die Börse ist ein bisschen wie "Farmville", ein beliebtes Spielchen auf Facebook. Hier wie dort ist das Ziel, eine ordentliche Ernte einzufahren. Bei der Firma hinter "Farmville", Zynga, wird das immer schwieriger. Der Spieleentwickler fährt gerade Verluste ein, die Aktie rauscht in die Tiefe. Und sie reißt das Papier des wichtigsten Partners Facebook mit - Zyngas erfolgreiche Spiele nutzen Facebook als Plattform.

Farmville Zynga Social Games

Das Computerspiel "Farmville" der Firma Zynga.

(Foto: Screenshot: Farmville.com)

Zynga hat in der Nacht neue Geschäftsergebnisse vorgelegt - vor allem die Gewinnprognose ist eingebrochen. Die Eigentümer sind enttäuscht. Die Zynga-Aktie stürzte als Folge nachbörslich ins Bodenlose: Sie verlor fast 39 Prozent auf 3,12 Dollar.

Zynga hatte seine Aktie im Dezember zum Preis von zehn Dollar an die Börse gebracht. Doch mehrere Quartale hintereinander liefen Verluste auf. Allein von April bis Juni verlor Zynga fast 23 Millionen Dollar. Neue Spiele kommen später heraus als geplant und bestehende Titel verlieren Spieler.

Das amerikanische Unternehmen erwartet somit für dieses Jahr nur noch einen Gewinn von vier bis neun Cent je Aktie. Bislang rechnete es mit 23 bis 29 Cent. Der Umsatz blieb im abgelaufenen Quartal unter den Erwartungen: Er lag bei 332 Millionen Dollar. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten mit 344 Millionen Dollar gerechnet.

Zynga steuerte zuletzt 15 Prozent zum gesamten Facebook-Umsatz bei. Wenn ungeduldige Spiele ihre Ernte ein wenig auffrischen wollen, können sie bei Zynga Fortschritte kaufen, statt sie mühsam zu erspielen. Bei diesen Transaktionen verdient Facebook mit. Die Zynga-Zahlen ließen dementsprechend auch die Facebook-Aktie fallen: Das Papier gab nachbörslich um rund acht Prozent nach. Mark Zuckerbergs Firma startete Ende Mai bei 38 Dollar je Aktie und steht momentan bei rund 30 Dollar.

Facebook legt bald erste Ergebnisse vor

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wird Facebook sein erstes Quartalsergebnis vorlegen. Neben Zynga-Erlösen stützt sich das soziale Netzwerk fast vollständig auf Werbeeinnahmen. Facebook-Anzeigen haben den Ruf, nicht so gut zu funktionieren. Vor den Quartalszahlen schätzen Analysten bereits, dass die neue Werbeform "Sponsored Stories" gut funktioniere. Sie wird den Nutzern wie die Meldung eines Freundes in der Nachrichtenleiste angezeigt und bekomme so mehr Aufmerksamkeit als herkömmliche Anzeigen am Rand der Seite. Andererseits sagen die Marktbeobachter auch, dass viele Firmen ihr Werbebudget für Facebook kürzen - schlecht für das soziale Netzwerk.

Sorgen bereitet zudem vor allem das Mobilgeschäft. Viele Nutzer halten mittlerweile über das Smartphone den Kontakt zu ihren Freunden. Die kleinen Bildschirme der Telefone erlauben es aber kaum, Werbung zu zeigen - eine strategische Lücke von Facebook, wie der SZ-Digitalblog analysiert hat.

© Süddeutsche.de/dpa/bbr/luk
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