Siemens:"Wir müssen alle lernen, das Smartphone auch mal wegzulegen"

Siemens verteidigt Einschnitte

Janina Kugel ist im Siemens-Vorstand für Personal zuständig und damit für fast 350 000 Mitarbeiter.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Janina Kugel ist die Personalchefin von Siemens. Ein Gespräch über die neue Arbeitswelt und die Trennung zwischen Privat- und Berufsleben.

Von Marc Beise und Caspar Busse

Es ist alles ziemlich hell in der neuen Siemens-Zentrale am Wittelsbacherplatz in München. Der Weltkonzern hat sich ein neues Hauptquartier geleistet, oben im sechsten Stock residieren die Chefs. Eine davon: Janina Kugel, 46. Sie ist im Vorstand seit Februar 2015 für Personal zuständig und damit für 349 000 Mitarbeiter. Ihr Lieblingsplatz im neuen Gebäude ist das Bistro im fünften Stock, das hat eine große Dachterrasse und dort macht sie gerne Meetings.

In der neuen Zentrale ist für die Mitarbeiter einiges neu. "Wir verfolgen eine sogenannte Clean-Desk-Politik. Das heißt, dass am Ende eines Arbeitstages der Tisch leer sein muss, so dass er gereinigt werden kann, und am nächsten Tag sich vielleicht jemand anderes dahin setzen kann", sagt Kugel. Dabei gehe es nicht ums Geld, also um eine bessere Ausnutzung der teuren Bürofläche, sagt die Managerin: "Dahinter steht ein anderes Verständnis von Arbeitszeit. Die unbedingte Anwesenheit wird zunehmend in Frage gestellt."

Sie selbst geht abends gegen sechs Uhr nach Hause

Arbeit könne nämlich heute von verschiedenen Stellen aus geleistet werden, von zu Hause oder von unterwegs beim Kunden. Sie selbst geht abends gegen sechs Uhr nach Hause zu ihren Kindern und setzt sich dann später wieder an den Schreibtisch. Die neue Arbeitswelt hat aber höhere Anforderungen an die Mitarbeiter, denn die müssten mehr Selbstverantwortung tragen. "Wir müssen alle lernen, das Smartphone auch mal wegzulegen", sagt Kugel.

In der Summe würden bei Siemens durch die Digitalisierung keine Jobs vernichtet, sagt Kugel - wenn einzelne Jobs verschwinden, entstehen andere. Siemens brauche ständig neue Fachkräfte. Der Zustrom von Flüchtlingen könne dieses Problem aber auch nicht von einem auf den anderen Tag lösen. An vier Standorten seien bei Siemens insgesamt 66 Auszubildende in Förderklassen eingestellt worden. Dazu kämen hundert Praktikumsstellen für Flüchtlinge. Diese Zahlen sind angesichts der Größe von Siemens ziemlich klein. Aber Kugel sieht das anders - und kündigt dennoch an, dass die Zahl bald steigen könnte.

© SZ.de/jps
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