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Schuldenkrise in den USA:Die Wall Street denkt das Undenkbare

Ach, die richten das schon: Lange haben die Finanzmärkte eher lässig auf die politischen Auseinandersetzungen um die Schuldengrenze geblickt. Doch mittlerweile stellen sie sich auf einen Zahlungsausfall der USA ein. Und die jüngsten amerikanischen Wirtschaftszahlen verschärfen die Lage.

Bisher haben sich die Spekulanten zurückgehalten - doch nun beginnen sie das Undenkbare zu denken: Dass die Vereinigten Staaten erstmals in ihrer Geschichte nicht mehr in der Lage sein könnten, ihre Rechnungen zu bezahlen.

Boni satt: Wall-Street-Banker erwarten Geldsegen

Die Wall Street stellt sich auf einen Zahlungsausfall der USA ein.

(Foto: dpa)

Nachdem der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, John Boehner, die Abstimmung über seinen Sparplan wegen einer konservativen Rebellion in den eigenen Reihen hatte abbrechen müssen, galt es am Freitag als unwahrscheinlich, dass der Kongress noch vor dem kommenden Dienstag, 2. August, die Schuldengrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar erhöht. Ohne diesen Schritt geht der Regierung von Präsident Barack Obama an diesem Tag das Geld aus. Die Ratingagenturen dürften die Kreditwürdigkeit der USA dann von AAA auf AA herabsetzen.

Am stärksten wirkt sich das Desaster auf den kurzfristigen Geldmarkt auf. Geldfonds sind dazu übergegangen, Kredite nur noch über Nacht an Banken zu verleihen, auch wenn sie dafür auf Zinsen verzichten müssen. Es ist eine Flucht in die Sicherheit.

Anleger haben allein in dieser Woche neun Milliarden Dollar aus Geldmarktfonds abgezogen, berichten Experten. Das Wall Street Journal meldet, dass auch die Kurse kurzfristiger Staatspapiere ("T-Bills") unter Druck geraten. Die Anspannung auf dem Geldmarkt bedeutet, dass Unternehmen weniger kurzfristige Kredite für ihr Normalgeschäft bekommen. Viele Firmen sollen daher hohe Barreserven gebildet haben.

Die großen Banken der Wall Street haben Notpläne vorbereitet, die verhindern sollen, dass es am 2. August zu einer Panik kommt. Zuvor hatten sie einen dringenden Appell an Washington gerichtet, sich doch noch zu einigen. "Die Folgen der Tatenlosigkeit wären gravierend - für unsere Wirtschaft, für unseren ohnehin schwächelnden Arbeitsmarkt, für die Finanzen unserer Firmen und Familien und für Amerikas wirtschaftliche Führungsrolle in der Welt", heißt es in dem Brandbrief.

Unterzeichner haben ihn die Chefs Lloyd Blankfein (Goldman Sachs), Jamie Dimon (JP Morgan) und Josef Ackermann (Deutsche Bank). Der frühere Vizechef der Bank von England, John Gieve, warnte sogar vor Verhältnissen wie nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008. "Wenn man ein so riskantes Spiel spielt, dann kann in letzter Minute immer etwas schief gehen, etwas Praktisches. Und dann läuft einem die Zeit davon", sagte er bei Bloomberg TV. Am Freitag lud das Finanzministerium die Vertreter der 20 größten Banken des Landes ein, um Pläne für den Ernstfall zu besprechen.

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