Schattenbanken Von Fonds kann Panik ausgehen

Was das bedeutet, lässt sich am Fall von Michael Cavanagh zeigen. Der heute 48 Jahre alte Manager hatte 20 Jahre bei JP Morgan Chase gearbeitet und galt als Kronprinz des Chefs Jamie Dimon. Am 25. März dieses Jahres jedoch teilte die Bank bedauernd mit, dass Cavanagh sich dem Finanzinvestor Carlyle Group anschließen wird. Ein Spitzenbanker schlägt die Chance aus, das größte Institut Amerikas zu führen, um sich einem diskret operierenden Finanzinvestor anzuschließen - nichts illustriert den Aufstieg der Schattenbanken besser. Auch andere Institute an der Wall Street berichteten über eine "Flucht der Talente" zu Schattenbanken.

Zu den Gewinnern gehören Vermögensverwalter. Ein "Vakuum" sei entstanden, "in das Vermögensverwalter stoßen und sich ins Zentrum von Bemühungen bringen, die Weltwirtschaft wiederzubeleben", heißt es in einer Studie der Wirtschaftsprüfer von PwC. BlackRock etwa, weltgrößter Vermögensverwalter, verfügt über ein Portfolio von 42 Milliarden Dollar an Hochzins- und Bankkrediten.

Einer der Stars unter den Schattenbanken ist der Finanzinvestor Carlyle Group. Der Ausbau der Bankgeschäfte ist bei Carlyle strategisch angelegt, nicht nur in den USA, sondern auch in China. "Wir expandieren gezielt in Bereiche, aus denen sich die Banken zurückziehen", sagte David Marchick, Direktor bei Carlyle, dem Economist. Ein Beispiel ist das riskante Geschäft mit Schiffsfinanzierungen, das die herkömmlichen Banken praktisch aufgegeben haben. Nicht nur Carlyle mischt dabei mit. Ende vorigen Jahres verkaufte die deutsche Commerzbank ein Paket problematischer Schiffskredite für 280 Millionen Euro an den Finanzinvestor Oaktree. Auch den Rest der Schiffsfinanzierungen will die Bank abstoßen.

Daran ist zunächst nichts Verwerfliches. Wenn Finanzinvestoren einer Bank wacklige Kredite abkaufen, dann stabilisiert dies das System. Investoren übernehmen Risiken, die Bankbilanzen werden gesünder. Wenn sich die Investoren jedoch selbst massiv bei regulären Banken verschulden, können sich Risiken plötzlich potenzieren und ins System zurückkehren. Alles hängt also von der Struktur und der Größe der Schattenbanken ab.

Größter Risikiofaktor ist China

Relativ offen liegt die Gefahr bei Geldmarktfonds. Besonders in den USA nutzen Privathaushalte und Unternehmen solche Fonds wie Festgeldkonten. Geldmarktfonds müssen jedoch, wenn sie Zinsen zahlen wollen, spekulieren. Und, wie die Finanzkrise gezeigt hat, können diese Spekulationen so sehr danebengehen, dass die Anlagen absolut an Wert verlieren, was bei Festgeldkonten nicht möglich ist. Das Risiko wird nur verdeckt und ist dadurch umso größer. Im Extremfall kann von diesen Fonds eine Panik ausgehen. Die US-Börsenaufsicht SEC arbeitet daher seit Jahren an einer Regulierung für die Branche; diese wehrt sich bisher mit Erfolg.

Größter Risikofaktor in dem Spiel ist jedoch China. Bis vor kurzem gab es dort noch überhaupt keine Schattenbanken, inzwischen boomt deren Geschäft - nach Angaben von Moody's stiegen die Anlagen binnen zwei Jahren um 67 Prozent. Der Geldmarkfonds Yu'e Bao, den Alibaba, Betreiber der gleichnamigen Suchmaschine, aufgelegt hat, verwaltet stolze 81 Milliarden Dollar, wie die Financial Times berichtet. Es wäre damit der viertgrößte Geldmarktfonds der Welt. Das Wachstum ist leicht zu erklären: Yu'e Bao zahlt sechs Prozent Zinsen, bei Bankkonten hat die Regierung eine Obergrenze von 3,3 Prozent festgesetzt. Einige der Finanzierungen der Schattenbanken sind bereits notleidend geworden - wegen der Pleite des Schuldners. Ein Arbeitspapier des IWF zählt Beispiele auf: Kohlegruben in Shanxi, Solarzellen-Hersteller in Schanghai, Immobilien in Großstädten.

Kein Wunder, dass der IWF vor Exzessen in China warnt.