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Vorstand:SAP-Chef tritt überraschend zurück

SAP-Chef Bill McDermott 2019 in Mannheim

SAP-Chef Bill McDermott bei der Hauptversammlung des Softwarekonzerns im Mai in Mannheim

(Foto: Uwe Anspach/dpa)
  • Bill McDermott zieht sich mit sofortiger Wirkung von der Spitze des deutschen Softwarekonzerns SAP zurück.
  • An seine Stelle als Vorstandschef treten die Vorstandsmitglieder Jennifer Morgan und Christian Klein.
  • Damit ist Morgan die erste Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns.

Seit 2010 hatte Bill McDermott den Posten des SAP-Vorstandschef inne, nun tritt er überraschend zurück. Die Vorstandsmitglieder Jennifer Morgan und Christian Klein sollen als Führungsduo mit sofortiger Wirkung seine Nachfolge antreten und Europas größten Softwarehersteller führen, wie der Dax-Konzern am frühen Freitagmorgen mitteilte.

Von 2014 an lenkte der heute 58-jährige McDermott die Geschicke des wertvollsten deutschen börsennotierten Konzerns an der Vorstandsspitze allein. 2015 hatte er einen schweren Unfall, bei dem er ein Auge verlor. Seitdem trägt er eine getönte Brille. Der US-Amerikaner hat den Konzern stark in Richtung Cloudsoftware zur Miete aus dem Internet umgebaut. "Von dieser Weichenstellung wird das Wachstum von SAP noch viele Jahre profitieren", sagte Aufsichtsratschef und SAP-Mitgründer Hasso Plattner. Mit dem Führungswechsel greife die langfristige Nachfolgeplanung des Kontrollgremiums, hieß es.

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Einen konkreten Grund für den Rücktritt McDermotts nannte das Unternehmen zunächst nicht. Im Januar hatte er sich selbst noch eine lange Zeit bei SAP verordnet: "Hier bei SAP kann ich am meisten tun, um die Welt zu verbessern", antworte McDermott auf die Frage nach seinen Zukunftsplänen. "Es gibt hier noch so viel zu tun." Sein Vertrag lief noch bis 2021, zu einer Verlängerung wird es nicht kommen. Er ist seit 2002 im Unternehmen. Noch bis Ende des Jahres will der Manager in einer beratenden Rolle im Unternehmen bleiben. "Jetzt ist der Moment gekommen, ein neues Kapitel aufzuschlagen", sagte McDermott.

Ein begnadeter Verkäufer, der nicht zögerte

Er hatte zuletzt noch einen Plan zur längerfristigen Effizienzsteigerung für Mitte November angekündigt. Investoren hatten die seit langem unter dem starken Ausbau des Cloudgeschäfts leidende Marge immer wieder bemängelt, McDermott hingegen setzte voll auf das Wachstum bei der Software, die über das Internet genutzt wird und im Abo-Modell oder gegen Nutzungsgebühr bezahlt wird. McDermott gilt als begnadeter Verkäufer, Zaudern und Zweifeln ist seine Sache nicht. Für das Wachstum in der Cloud steckte SAP in McDermotts Zeit viele Milliarden in teure Zukäufe. Unter seiner Ägide wurde der Konzern zum wertvollsten deutschen Börsenkonzern, aktuell ist SAP rund 130 Milliarden Euro wert.

Die in der Nacht zu Freitag ebenfalls vorgelegten Zahlen zum dritten Quartal konnten sich sehen lassen. Umsatz und Gewinn kletterten unerwartet kräftig, nachdem SAP im Vorquartal noch den Handelsstreit zwischen den USA und China zu spüren bekommen hatte. Den Erlös steigerte der Konzern im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro, unter dem Strich blieben mit 1,26 Milliarden Euro 30 Prozent mehr Gewinn übrig.

McDermott geht mitten im Umbau

Im Tagesgeschäft steuerte auch das Cloudgeschäft spürbar mehr Gewinn bei. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern stieg insgesamt um 20 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Das war deutlich mehr als Analysten erwartet hatten, die operative Marge lag mit 30,6 Prozent überraschend hoch. Finanzchef Luka Mucic führte das unter anderem auf Kostensenkungen und andere Effizienzmaßnahmen zurück. Die Finanzprognosen für das laufende und die kommenden Jahre bestätigte das Management.

Noch im Januar hatte McDermott einen weiteren großen Konzernumbau angestoßen. Das Unternehmen streicht bis zu 4400 Stellen in Bereichen, die laut dem Management keine große Zukunft haben. Allerdings wollen die Walldorfer in vielversprechenden Bereichen wie künstlicher Intelligenz Stellen schaffen. Im ersten Halbjahr hatte das Umbauprogramm unter anderem wegen Abfindungen gut eine Milliarde Euro gekostet.

Die Zukunft bestimmt eine Doppelspitze langjähriger SAPler

Wie der Konzern in den kommenden fünf Jahren seine Marge kontinuierlich steigern will, müssen nun Jennifer Morgan und Christian Klein den Investoren Mitte November darlegen. Die Erwartungen sind groß: Im April gab der aktivistische und in vielen Chefetagen wenig willkommene US-Investor Paul Singer an, sich mit seinem Hedgefonds Elliott im großen Stil bei SAP eingekauft zu haben und Anteile im Wert von 1,2 Milliarden Euro zu halten. Die neue Führungsspitze kündigte bereits an, den Kurs ihres Vorgängers McDermott fortzusetzen. Sie und Klein werden sich auf eine entscheidende Botschaft konzentrierten - und die laute: Kontinuität, sagte Morgan am Freitag in einer Telefonkonferenz.

Morgan ist 48 Jahre alt, stammt wie McDermott aus den USA und ist nun die erste Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns. Bisher steuert sie im SAP-Vorstand die Cloudsparte. Sie ist seit 2004 im Unternehmen, seit 2017 im Vorstand. Klein ist 1980 geboren und ist derzeit für die Produktentwicklung im Vorstand verantwortlich. Er ist seit 1999 im Unternehmen und seit vergangenem Jahr im Vorstand.

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