S&P entzieht Frankreich Top-Bonität Ein Schock, der keiner ist

Frankreich und Österreich verlieren ihre Bestnoten bei Standard & Poor's, die Folgen sind indes begrenzt: Die meisten Analysten rechnen damit, dass die Auswirkungen der Herabstufung in einer Woche nicht mehr zu spüren sein werden. Allerdings verstärkt die Entwicklung die Rolle Deutschlands als sicherer Hafen der EU - das dürfte die Spannungen in der Eurozone erhöhen.

Ein Kommentar von Nikolaus Piper

Eine weitere schlechte Nachricht für Europa: Am Freitagnachmittag meldete die französische Nachrichtenagentur AFP, dass die Ratingagentur Standard & Poor's Frankreich die Bestnote AAA entziehen wird, zum ersten Mal in der Geschichte. Das französische Finanzministerium hatte kurz zuvor einen entsprechenden Brief von S&P erhalten. Wirtschaftsminister François Baroin bestätigte dies am Abend. Auch Österreich wurde herabgestuft. Die Reaktion an den Finanzmärkten: der Euro büßte 1,2 Prozent ein und sank auf 1,2624 Dollar, den niedrigsten Stand seit anderthalb Jahren. Die Verluste an den Aktienbörsen hielten sich in Grenzen. Es hätte schlimmer kommen können.

Doch was ist mit den langfristigen Folgen?

Die schlimmste könnte sein, dass der europäische Rettungsschirm EFSF und damit die Stabilisierung der Euro-Zone insgesamt noch teurer werden. Hinter der Bonität des EFSF mit geplant 440 Milliarden Euro Ausgaben steht die Bonität der Länder, die ihn finanzieren. Wenn immer mehr dieser Länder ihre Note AAA verlieren, verliert sie auch der EFSF insgesamt. Soweit die Theorie.

In der Praxis dürften die Folgen begrenzt sein. In der vergangenen Woche konnte der EFSF eine Anleihe zu günstigsten Konditionen platzieren, und da wurde schon lange über eine Herabstufung mehrerer europäischer Staaten spekuliert. Eine wichtige Erkenntnis der vergangenen Wochen: Zwischen der Note einer Ratingagentur und den Finanzierungskosten eines Landes gibt es eben keinen automatischen Zusammenhang. Bestes Beispiel dafür sind die Vereinigten Staaten. S&P hatte den USA im August ihr AAA entzogen, heute sind die Anleihezinsen niedriger als damals. Eine zehnjährige US-Bundesanleihe brachte am 30. Juli 2011 2,80 Prozent Rendite, heute sind es 1,85 Prozent.

Schuldendienst unter allen Umständen

Tatsächlich gelten die USA weiter als sicherer Hafen, niemand bezweifelt ernsthaft, dass Washington seinen Schuldendienst unter allen Umständen leistet. Das hochverschuldete Japan, das sein AAA schon lange verloren hat, muss nur 1,17 Prozent zahlen.

Als am Freitag die Gerüchte über die Herabstufung Frankreichs und Österreichs bekannt wurden, stiegen die Zinsen in vielen Ländern Europas zwar, aber der Anstieg betraf nur die zweite Stelle hinter dem Komma: Zehnjährige österreichische Anleihen stieg im Laufe des Tages um 0,07 Punkte auf 3,22 Prozent, französische um 0,04 Punkte auf 3,08. Solche Werte sind nicht komplett irrelevant, aber sie sind alles andere als ein Schock für die Eurozone. Wichtig auch, dass mehrere europäische Länder nicht herabgestuft wurden, obwohl es darüber auch schon Gerüchte gegeben hat. Neben Deutschland sind dies die Niederlande, Luxemburg und Finnland. S&P hatte im Dezember 15 europäische Nationen, darunter Deutschland, auf eine Negativliste gesetzt.