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Rentenvorsorge:Das Neugeschäft läuft schleppend

Sicher ist: Das Neugeschäft läuft schleppend. Bereits 2012 schrumpfte der Absatz von Riester-Verträgen um 36 Prozent. Die neue Statistik kommt für die Branche deshalb nicht überraschend. "Die anhaltende Finanzmarktkrise verunsichert die Menschen", sagt eine GDV-Sprecherin. Die historisch niedrigen Zinsen belasteten die private Altersvorsorge. Hinzu komme die immer wieder geäußerte Kritik, dass sich die Riester-Rente nicht lohne. Dabei rechne sie sich "für die allermeisten so gut wie keine andere Vorsorgeform".

Die Fondsgesellschaft Union Investment, Marktführer bei den RiesterFonds, ist ebenfalls überzeugt, dass "es garantiert keine großen Zuwachsraten mehr geben wird". Ein Sprecher macht jedoch darauf aufmerksam, dass die Zahlen aus dem Hause von der Leyen zumindest teilweise schlechter aussähen, als sie es tatsächlich sind. So wurden Riester-Fonds-Verträge, bei denen bereits Geld an die Kunden ausgezahlt wird, aufgrund eines technischen Fehlers nicht in der Statistik berücksichtigt. Diese Verträge werden im nächsten Quartal wieder mitgezählt, so dass die Zahlen zumindest für die Fondsbranche etwas erfreulicher ausfielen.

Einig sind sich alle, dass weitere Reformen nötig sind: "Damit noch mehr Leute für das Alter sparen, sollte die Politik die Zulagen dynamisieren und den steuerlich geförderten Höchstbetrag von 2100 Euro wie in der betrieblichen Altersversorgung auf vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze festsetzen", sagt Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbandes BVI. Auch die Versicherungslobbyisten vom GDV machen sich dafür stark, die Grundzulage von 154 Euro zu erhöhen. "Das wäre ein starkes Signal pro Riester-Rente", hofft die Sprecherin.

Bislang sorgen nicht zuletzt Geringverdiener eher wenig vor: Von den gut 4,2 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit einem Bruttolohn von weniger als 1500 Euro haben 1,8 Millionen weder eine betriebliche Altersversorgung noch einen Riester-Vertrag. Vielen von ihnen fehlt das Geld fürs Sparen - von der Leyen weist deshalb stets darauf hin, dass Riestern schon ab fünf Euro Eigenbeitrag im Monat möglich ist.

Hinzu kommt ein anderes Hindernis: Ist ein früherer Geringverdiener mit einer gesetzlichen Minirente auf die staatliche Grundsicherung im Alter angewiesen, werden Auszahlungen aus einer Riester-Rente angerechnet. In solchen Fällen wurde quasi vergebens gespart. Von der Leyen will dies ändern. Sie sagt: Ein Riester-Vertrag müsse sich gerade für Geringverdiener lohnen, "die in Zukunft besonders von Altersarmut bedroht sind".

© SZ vom 15.07.2013/mike

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