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Renten:Die Mär vom armen Ossi-Rentner

Supermarkt Lebensmittel älteres Seniorenpaar beim einkaufen Kühlregal mit Milch Molkerei Produkte

Ostdeutsche Politiker fordern seit Jahren, dass jeder einbezahlte Euro im Osten genauso viel wert sein muss wie im Westen. Die ganze Wahrheit aber verschweigen sie.

(Foto: imago/Jochen Tack)

Gleiche Renten in Ost und West? Das klingt vielleicht gerecht - in Wahrheit profitieren aber nur die Ruheständler von heute, die Arbeitnehmer zahlen drauf.

Kommentar von Thomas Öchsner

Es klingt nach einer großen Ungerechtigkeit: Ein Durchschnittsverdiener im Osten erwirbt mit einem Jahr Arbeit einen Rentenanspruch von 28,66 Euro, ein westdeutscher Arbeitnehmer 30,45 Euro. Nun will die Bundesregierung diesen Nachteil schrittweise abschaffen. Eine gute Sache, könnte man meinen. Doch das stimmt nur zum Teil.

Die Menschen zwischen Rügen und Erzgebirge fühlen sich durch die fast zwei Euro starke Differenz beim Rentenwert benachteiligt. Ostdeutsche Politiker fordern deshalb seit Jahren, dass jeder einbezahlte Euro im Osten genauso viel wert sein muss wie im Westen. Dabei verschweigen sie aber, dass Ostdeutsche gar nicht benachteiligt sind. Ihre für die Berechnung der Rente maßgeblichen Löhne werden so stark aufgewertet, dass der Nachteil beim Rentenwert mehr als ausgeglichen wird. Für das gleiche Geld gibt es in Erfurt also mehr Rente als in Nürnberg.

Gut 25 Jahre nach dem Mauerfall mag es nun höchste Zeit sein, diese Vor- und Nachteile abzuschaffen und das Rentenrecht anzugleichen. Dann sollten aber jene Politiker, die das jetzt lautstark fordern, genauso deutlich sagen, dass die Jüngeren dabei die Gekniffenen sind. Gewinnen werden die Ruheständler im Osten, sie profitieren vom höheren Rentenwert. Verlieren werden die ostdeutschen Arbeitnehmer, die geringere Rentenansprüche erwerben. Die Renteneinheit wird deshalb die Altersarmut befördern.

© SZ vom 22.07.2016/sry
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