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Studie:Deutsche trauen Rentenplänen nicht

Rentner auf einer Parkbank im Schlossgarten Fulda

Der Gedanke an den Ruhestand stimmt immer mehr Deutsche misslaunig.

(Foto: picture alliance / Arne Dedert/d)
  • Ein Großteil der Bevölkerung hat das Vertrauen in die Rentenpolitik der Regierung verloren. Das zeigt eine Studie im Auftrag des Versicherungskonzerns Axa.
  • Jeder Zweite schaut demnach besorgt in Richtung Ruhestand - und für fast jeden Dritten ist es sogar die größte Sorge, später zu verarmen.

Der Ruhestand sollte eigentlich der Ausklang sein nach 40 Jahren Arbeit: Endlich eine große Reise antreten, Zeit haben für ein neues Hobby, den Lebensabend ohne große Sorgen genießen. Doch gerade einmal ein Drittel aller Beschäftigten in Deutschland freut sich auf die Rente. Das ist das Ergebnis der Studie "Deutschland-Report" im Auftrag des Versicherungskonzerns Axa, die auf bundesweit 3368 Interviews basiert.

Mehr als die Hälfte aller Erwerbstätigen schaut demnach voller Sorge in Richtung Ruhestand. Fast zwei Drittel geben an, dass sie heute mehr Sorgen hinsichtlich ihrer Altersvorsorge haben als früher - und für fast jeden Dritten ist es sogar die größte Sorge, später einmal zu verarmen.

Auch wenn der Ruhestand die Deutschen schon immer beschäftigt hat: Neu ist, dass das Thema inzwischen für viele oberste Priorität hat. Das gilt nicht nur für die Babyboomer-Jahrgänge, die bald in Rente gehen, sondern auch für immerhin die Hälfte der unter 30-Jährigen. Danach gefragt, welche Probleme die Regierung stärker angehen soll, liegt die finanzielle Besserstellung von Ruheständlern als Antwort vor der Ausbesserung maroder Straßen, der Verbesserung der Schulen oder einer bessere Gesundheitsversorgung.

Derzeit haben etwa drei Prozent der Altersrentner eine so kleine Rente, dass sie auf die Grundsicherung im Alter angewiesen sind. Experten gehen davon aus, dass es in Zukunft noch deutlich mehr werden könnten. Auch deshalb haben Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag eine Grundrente vereinbart: Wer mindestens 35 Jahre gearbeitet hat, soll im Alter eine Rente bekommen, die zehn Prozent über der Grundsicherung liegt.

Lebensqualität im Ruhestand verbessert sich nur noch selten

Auch sonst sieht der Koalitionsvertrag reichlich rentenpolitische Projekte vor: Bundessozialminister Hubertus Heil (SPD) will noch in diesem Jahr ein erstes Rentenpaket schmieden. Dazu gehören Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente, die geplante Erhöhung der Mütterrente und die Haltelinien in der gesetzlichen Rentenversicherung. Bis 2025 soll der Beitragssatz nicht über 20 Prozent steigen, das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent sinken - allerdings wären beide Grenzen voraussichtlich ohnehin erst im Jahr 2025 gerissen worden. Kritisch wird es erst danach, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen. Für diese Zeit soll die gerade eingesetzte Rentenkommission Lösungen finden. Geplant ist zudem ein zweites Rentenpaket für das kommende Jahr; dann soll die Grundrente beschlossen werden, ebenso eine Rentenversicherungspflicht für Selbständige.

Bislang stimmen jedoch weder diese Pläne, noch die kürzlich verkündete kräftige Rentenerhöhung die Bevölkerung sonderlich optimistisch: 71 Prozent der Befragten geben an, bei der Altersvorsorge das Vertrauen in die Politik verloren zu haben. Und wer bereits in Rente ist, zeigt sich der Studie zufolge besonders unzufrieden: 2016 gab noch fast jeder vierte Rentner an, seine Lebensqualität habe sich im Ruhestand verbessert. 2017 waren es gerade einmal elf Prozent - und in diesem Jahr ist es nicht einmal mehr jeder Zehnte.

© SZ.de/vit

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