Raumfahrt:New Space ist bei Investoren gefragt

Isar Aerospace Ottobrunn

Bau der Unterstufe der Spectrum-Rakete von Isar Aerospace in Ottobrunn bei München. Start-ups wie der Raketenhersteller locken Investoren an.

(Foto: Isar Aerospace/oh)

Fast 100 Millionen Euro haben Geldgeber im ersten Halbjahr in deutsche Start-ups der Branche gesteckt, so eine Studie. Analystinnen erwarten ein Rekordjahr.

Von Dieter Sürig

Seit knapp einem Jahr vermessen sie die deutsche New-Space-Branche, also Start-ups, die mit Raumfahrt zu tun haben. Nun haben die Analystinnen des Berliner Beratungsunternehmens Capitol Momentum eine Halbjahresbilanz vorgelegt. "Die deutsche New-Space-Landschaft war im Jahr 2021 durch eine starke Investitionstätigkeit gekennzeichnet", schreiben sie. Im ersten Halbjahr hätten junge Raumfahrtfirmen in sechs Finanzierungsrunden knapp 100 Millionen Euro von privaten Investoren eingesammelt. Das Ergebnis weiterer sechs Runden sei noch nicht bekannt.

Es gebe "gute Gründe für die Annahme, dass 2021 ein weiteres Rekordjahr sein wird, sowohl was die Finanzierungsrunden als auch das Transaktionsvolumen betreffen". Demnach hat es im vergangenen Jahr nur sieben Runden mit 308 Millionen Euro gegeben; 2019 erlösten drei Finanzierungsrunden knapp 170 Millionen Euro.

Insbesondere zwei Dinge sind bemerkenswert: Die Finanzierungsrunden haben sich leicht verschoben - vom Seed-Level, der ersten offiziellen Finanzierung für Gründer, hin zu Series-A- oder Series-B-Runden für weiter entwickelte Start-ups. Dies deute auf einen "Reifungsprozess des Marktes sowie ein erhöhtes Interesse von Wagniskapital-Investoren, zusätzliche Mittel in die deutsche New-Space-Industrie zu stecken", so die Studie. Ferner steigen die Investitionen in so genannte Downstream-Firmen, die sich eher mit der Analyse von Satellitendaten als mit dem Bau von Satelliten oder Raketen beschäftigen.

Branchenfremde Geldgeber werden wichtiger

Ein Großteil des Geldes kommt der Studie zufolge von Wagniskapitalgebern. Von denen kamen in der ersten Jahreshälfte 75 Prozent der Investitionen, einzelne Ankerinvestoren steuerten 17 Prozent bei, Unternehmen immerhin acht Prozent. Der Bericht vermerkt zudem eine "stärkere Beteiligung" von Investoren aus der klassischen Industrie. Unter anderem heben die Analystinnen den Einstieg der Porsche SE in den Münchner Kleinraketenbauer Isar Aerospace hervor. Die Finanzholding des Autokonzerns, die auch Eigner von Volkswagen ist, hatte im Juli angekündigt, einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag in das Start-up zu investieren.

Für erfolgreiche Unternehmen wie Isar Aerospace wäre wohl auch ein Börsengang irgendwann ein logischer Schritt. "Das ist in der Zukunft denkbar, er wird aber nicht vor unserem ersten Start passieren", sagte Gründer Daniel Metzler vor einem Monat der SZ. Und der Premierenflug ist für 2022 geplant. "Wir können das Unternehmen besser und schneller aufbauen, wenn wir privat finanziert sind und weniger Pflichten wie an der Börse haben", so Metzler. Der neuseeländisch-amerikanische Kleinraketenbauer Rocket Lab, der bereits 20 Starts hatte, ist vergangene Woche an die New Yorker Tech-Börse Nasdaq gegangen.

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