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Rabattaktionen:Kaufhof gerät in die Schnäppchenspirale

Rabatte, so weit das Auge reicht. Vor allem Textilhändler unterbieten sich seit vergangener Woche gegenseitig - dabei hat der Frühling gerade erst begonnen.

(Foto: Robert Haas)
  • Seit der Übernahme im Herbst 2015 durch die Hudson's Bay Company schreibt die Kaufhauskette rote Zahlen.
  • Unter den neuen Eigentümern mischt Kaufhof nun kräftig mit bei der Rabattschlacht des Einzelhandels.
  • Die Mitarbeiter sind unzufrieden und richten sich zunehmend gegen die neuen Eigner.

Von Mango über Pimkie bis H&M, fast alle Textil-Händler bieten sich in diesen Tagen eine gnadenlose Rabattschlacht. Sie locken mit Abschlägen von bis zu 70 Prozent und haben nun den Mid-Season-Sale ausgerufen. Dabei war gerade Frühlingsanfang und noch längst nicht "Mitte der Saison". Online-Anbieter wie Navabi mischen dabei auch mit und selbst große Kaufhäuser wie Peek&Cloppenburg, C&A oder Karstadt. Kaum einer kann sich dem Sog entziehen.

Im Internet sind die Preise vollkommen transparent. Das setzt alle unter Zugzwang. Solche Rabattschlachten gibt es in Deutschland schon seit langem, und doch ist diesmal etwas neu: die Rolle von Galeria Kaufhof. Nach den üppigen Weihnachtsrabatten bietet Kaufhof nun ein Osterspezial und erstmals auch einen Rabatt nur für Kunden, die am "Treueprogramm" Payback teilnehmen. Für die gibt es immerhin 20 Prozent.

Insider sagen, dass Kaufhof die Rabattschlacht mit anführt und gar vorantreibt und damit den "Verdrängungswettbewerb", wie Fachleute es nennen, nicht nur billigend in Kauf nimmt, sondern anheizt - und das auf Geheiß der neuen Eigentümer, der Hudson's Bay Company (HBC) aus Kanada. Die HBC-Oberen sind selber Getriebene, weil die HBC-Aktie abgestürzt ist, hohe Schulden auf dem Konzern lasten und das Unternehmen mit seinen Warenhäusern in Kanada (Hudson's Bay) und den USA (Saks Fifth Avenue, Lord & Taylor) Geld verbrennt.

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Auch Galeria Kaufhof schreibt seit der Übernahme im Herbst 2015 rote Zahlen. HBC hatte ursprünglich Investitionen von einer Milliarde Euro in den kommenden fünf bis sieben Jahren angekündigt. Davon ist intern jetzt nicht mehr ernsthaft die Rede. Stattdessen herrscht Verunsicherung. Kaufhof-Chef Olivier Van den Bossche kündigte in der Mitarbeiterzeitschrift an, dass die Investitionen über mehrere Jahre gestreckt würden. Die bittere Wahrheit ist: Es gibt keinen Plan, wann welche Filiale tatsächlich wie versprochen modernisiert wird. Fest steht lediglich, dass die Investitionen in Düsseldorf, Aachen, München und anderswo abrupt eingestellt worden sind. HBC legte von heute auf morgen schlicht den Hebel um. Unter den Kaufhof-Mitarbeitern ist die Stimmung gekippt. Sie richtet sich nun immer deutlicher gegen die neuen Eigentümer.

Die versprochenen Investitionen fließen an Kaufhof vorbei, in Projekte in den Niederlanden und in die Kette Saks Off 5th, den Mode-Discounter von HBC, der dieses Jahr in fünf deutschen Städten starten soll. Bei Kaufhof soll hingegen gespart werden. Von einem Betrag in deutlich zweistelliger Millionenhöhe in diesem Jahr ist die Rede. Aushilfsjobs und befristete Stellen würden gestrichen und mit den Lieferanten verhandelt.

Vor allem aber steht ein Ausstieg aus dem Tarifvertrag zur Debatte. Kaufhof will die Tarifbindung zwar nicht gänzlich kappen, bevorzugt aber einen Haustarifvertrag. Der Rivale Karstadt hat es vorgemacht: erst raus aus der Tarifbindung und dann zurück zum Tarif über einen Hausvertrag. Der führt zu geringeren Kosten für das Unternehmen und würde aus Sicht von Kaufhof in der Rabattschlacht Waffengleichheit schaffen. Die Abwärtsspirale ist in vollem Gange, manche Beobachter machen sich ernsthaft Sorge um Kaufhof.

Waren die neuen Eigentümer naiv?

So brutal, so erbarmungslos hatten sich die neuen Eigentümer den deutschen Markt vielleicht nicht vorgestellt. Oder waren sie einfach nur naiv und bar jeder Kenntnis dieses so speziellen Umfeldes, in dem mit äußerst harten Bandagen Rabattschlachten geführt werden? Unwahrscheinlich. Die nahe liegendere Alternative: Sie gehen vor wie der frühere US-Investor Nicolas Berggruen beim Konkurrenten Karstadt: Mit großem medialen Tamtam einsteigen, Investitionen versprechen, sich bei Mitarbeitern und in der Öffentlichkeit beliebt machen - in Wahrheit aber das Kaufobjekt über die Mieteinnahmen aussaugen.

Kaufhof-Chef Van den Bossche ist zwar auch Europa-Chef von HBC, aber eigentlich nur der Überbringer der schlechten Botschaften aus Kanada. Intern zofft er sich mit Don Watros, HBCs Mann fürs internationale Geschäft und Aufsichtsratschef von Kaufhof. Watros fliegt alle paar Wochen nach Köln und bestimmt, was geschieht. Er soll die Rabatte, mit denen Kaufhof nicht nur während der Weihnachtszeit auffiel, gegen den Willen von Bossche durchgesetzt haben. Er soll es auch sein, der bei den Lebensmittel-Abteilungen einsparen will - das alles offensichtlich nicht zum Vorteil des Unternehmens: Im wichtigen Weihnachtsgeschäft schrumpfte der Umsatz um zwei Prozent.

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