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Präsentation von Siemens-Chef Kaeser:Hey Joe, make it better

Joe Kaeser Replaces Peter Loescher As Siemens CEO

Siemens-Chef Joe Kaeser krempelt den Technologie-Konzern um und dreht viele Entscheidungen seines Vorgängers Peter Löscher wieder zurück.

(Foto: Joerg Koch/Getty Images)

Der neue Siemens-Chef Joe Kaeser krempelt den Technologie-Konzern um. Viele Entscheidungen seines Vorgängers Peter Löscher macht er rückgängig und trifft den richtigen Ton. Kritiker befürchten allerdings, dass es Probleme mit den Gewerkschaften geben könnte.

Es ging locker zu, trotz des schlechten Wetters. 600 Spitzenmanager von Siemens standen abends vor dem Interconti-Hotel in Berlin im Regen herum, glücklich darüber, ein wenig frische Luft zu bekommen. Gerade hatte ein ohrenbetäubender Feueralarm sie auf die Straße getrieben. Zeit, mit den Kollegen zu plaudern. "Für die Stimmung war das gar nicht schlecht", erzählt einer, der an der Konferenz teilnimmt, die einmal im Jahr in Berlin stattfindet. In diesem Jahr war es besonders spannend. Erstmals würde der neue Vorstandschef Joe Kaeser, der am 31. Juli den glücklosen Peter Löscher abgelöst hat, seine Pläne verraten.

Kaeser, 56, ist ein alter Siemensianer, er kennt fast jeden aus der Führungstruppe und schon die Eingangspointe des neuen Chefs saß. Als der nicht groß gewachsene Kaeser im Interconti auf die Bühne stieg, ertönte der Beatles-Klassiker "Hey Jude". Am Rednerpult angekommen, fragte Kaeser auf Englisch: "Wie wäre es, wenn man statt Jude vielleicht Joe singen würde?" Seine Manager feixten. "Take a sad song and make it better", zitierte Kaeser den Song-Text, den er auch auf seinen Konzern anwenden wolle. Siemens besser machen, dazu ist Kaeser schließlich angetreten.

Den Teilnehmern wurde schnell klar: Kaeser wird manches ändern in dem Konzern mit seinen 370 000 Mitarbeitern. Der frühere Finanzchef wird auch Konflikten nicht aus dem Weg gehen. "Wir können es nicht jedem bei Siemens recht machen, wir müssen es aber für Siemens recht machen."

Kaeser gibt den Mitarbeitern das Wir-Gefühl wieder

Kaeser wartete mit Überraschungen auf. Der Mann, der seit über 30 Jahren bei Siemens ist, der den Konzern kennt wie kaum ein zweiter und der im Gegensatz zu dem distanziert wirkenden Vorgänger Peter Löscher den wärmenden Stallgeruch des langgedienten Siemensianers hat, gibt den Mitarbeitern das Wir-Gefühl wieder, das manchen abhanden gekommen war. Kaeser geht mit mancher Entscheidung zurück in die Zeiten vor Löscher, mit dessen amerikanisch angehauchtem Management-Stil viele nicht zurechtkamen.

Mit einem Strich macht Kaeser der von Löscher eingeführten Organisation des Auslandsgeschäfts ein Ende. Löscher hatte ganze Weltregionen zu Ländergruppen zusammengefasst - sogenannten Clustern. Den bis dahin mächtigen Länderfürsten hatte er die Chefs der Cluster vor die Nase gesetzt. Das sorge für jahrelangen Frust. Selbst gestandene Siemens-Manager hatte Schwierigkeiten sich in der komplizierten Organisationsmatrix wiederzufinden.

Die türkische Landesgesellschaft wurde von Österreich aus gesteuert. Das sogenannte Cluster North West Europe - zu dem auch die baltischen Staaten gehörten - wurde vom Siemens-Chef in Großbritannien geleitet. Durch die Neuordnung entfalle eine organisatorische Ebene im Konzern. Siemens solle "einfacher und marktnäher" gemacht werden, erklärte Kaeser. Die wichtigsten Länder sollen künftig direkt den Vorstände der vier Siemens-Sektoren Energie, Industrie, Gesundheit sowie Infrastruktur & Städte berichten.

Nach der Korruptionsaffäre, in der einige Länderchefs eine unrühmliche Rolle gespielt und geheime Konten geführt hatten, war Löschers Strukturreform sinnvoll. Alles wurde durchgewirbelt, alles in Frage gestellt. Doch der Skandal gilt als aufgearbeitet und Kaeser kann sich daran machen, die Strukturen sachte zu schleifen.