bedeckt München
vgwortpixel

Postbank-Kooperation:Verbraucherschützer warnen vor Gebühren am Geldautomat

Proteste im Libanon

Abheben am Geldautomaten ist in Deutschland kostenfrei, wenn man zur richtigen Bank geht. Doch seit einiger Zeit kommt es gelegentlich zu Irritationen.

(Foto: dpa)
  • Kunden von großen Privatbanken müssen beim Geldabheben genauer hinschauen, um Kosten zu vermeiden.
  • Einige Automaten stehen nur Postbankkunden kostenfrei zur Verfügung, nicht aber anderen Kunden der "Cash Group"-Banken.

Eigentlich weiß jeder Bankkunde in Deutschland, wo er hingehen muss, wenn er am Automaten kostenlos Geld abheben will. Wer ein Konto bei einer Sparkasse hat, kommt bei jeder anderen Sparkasse umsonst an Bares, auch Volks- und Raiffeisenbanken haben einen Verbund gegründet. Und es gibt die "Cash Group", in der sich große Privatbanken zusammengeschlossen haben. Damit können die Kunden von Hypo-Vereinsbank, Commerzbank, Deutscher Bank oder Postbank die Geldautomaten der anderen Institute kostenfrei nutzen - eigentlich.

Denn in letzter Zeit machten nicht wenige Kunden von Banken aus der Cash Group eine unschöne Erfahrung: Sie meinten von einem Gerät der Postbank Geld zum Nulltarif abzuheben, stellten aber auf dem Kontoauszug später fest, dass man ihnen 5,49 Euro für den Vorgang abgezogen hatte. Reihenweise meldeten sich Betroffene in den vergangenen Monaten bei den Verbraucherzentralen. Diese machen nun über ihr Portal "Marktwächter Finanzen" auf die Falle aufmerksam, in die Kunden von Hypo-Vereinsbank, Commerzbank oder auch Deutscher Bank tappen können.

Altersvorsorge Bundesrichter hält Rentenbesteuerung für verfassungswidrig
Bundesfinanzhof

Bundesrichter hält Rentenbesteuerung für verfassungswidrig

Das macht die Opposition hellhörig. FDP-Vizechef Kubicki fordert die Bundesregierung nun auf, dem Parlament Zahlen vorzulegen - und droht mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht.   Von Hendrik Munsberg

Hintergrund ist eine Kooperation, die die Postbank Anfang des Jahres mit Cardpoint geschlossen hat. Das ist der größte freie Betreiber von Geldautomaten in Deutschland, der bundesweit rund 900 Geräte aufgestellt hat, meist an Bahnhöfen, Tankstellen und anderen Plätzen mit vielen Menschen. Um ihr eigenes Netz an Geldautomaten enger zu knüpfen, arbeitet die Postbank nun mit Cardpoint zusammen; an 650 Geldautomaten des freien Anbieters können Postbank-Kunden ebenfalls kostenlos Geld abheben. Zu diesem Zweck hat sie auf die entsprechenden Geräte einen Sticker mit dem eigenen gelben Logo kleben lassen.

Der Haken bei der Sache: Kostenfrei ist das Abheben nur für Postbank-Kunden, nicht aber für solche von Deutscher oder Commerzbank. Diese aber gingen davon aus, dass sie überall dort gebührenfrei Bargeld bekommen, wo das Postbank-Logo drauf klebt, weil sie es bisher so gewohnt waren. "Die betroffenen Verbraucher fühlen sich schlichtweg in die Irre geführt," sagt Martina Schröder von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Widersprüchliche Informationen könnten Kunden in die Irre führen

Die Postbank räumt ein, dass sich auch bei ihr Kunden beschwert haben. Allerdings weist sie darauf hin, dass sich auf den betroffenen Geldautomaten kein Sticker mit der Aufschrift "Cash Group" befinde. Nur dieser signalisiere, dass das Abheben für alle Kunden der Mitgliedsbanken kostenfrei sei. "Außerdem wird ein Kunde anderer Banken beim Abheben auf dem Display darauf hingewiesen, dass die Gebühr von 5,49 Euro fällig wird, er muss dies sogar aktiv bestätigen", sagt die Sprecherin.

Den Verbraucherschützern ist das trotzdem zu wenig. Sie monieren zudem, dass Verbraucher beim Abheben zum einen darüber informiert würden, es fielen keine Kosten durch die Hausbank an, gleichzeitig aber darüber, dass eine Gebühr an den Automatenbetreiber zu entrichten sei. Diese widersprüchlichen Informationen könnten Kunden zusätzlich in die Irre führen. "Wenn derartige Hinweise klarer und ähnlich prominent ausgewiesen würden anstelle des Verwirrung stiftenden Postbank-Stickers, gäbe es weniger Irritationen", sagt Verbraucherschützerin Schröder. Sie rät Bankkunden, besonders beim Abheben außerhalb einer Filiale immer genau darauf zu achten, ob Kosten ausgewiesen werden.

Süddeutsche Zeitung Wirtschaft Im Zweifel für den Verbraucher

Verbraucher

Im Zweifel für den Verbraucher

Internet-Firmen unterstützen Passagiere, Mieter oder Bahnfahrer, ihr Recht und ihr Geld zu bekommen. Bei Anwälten ist die neue Konkurrenz nicht gern gesehen. Doch nun hat der BGH das Geschäftsmodell gebilligt.   Von Thomas Öchsner