Fintechs:Pleo wird zum Einhorn

Founder: Niccolo Perra und Jeppe Rindom

Niccolo Perra (li.) und Jeppe Rindom können sich freuen. Ihr Start-up hat eine Marktbewertung von 1,7 Milliarden US-Dollar.

(Foto: Pleo)

Das dänische Start-up wird jetzt mit 1,43 Milliarden Euro bewertet und will kräftig nach Deutschland expandieren. Die Bundesrepublik soll "Schlüsselmarkt" sein.

Von Nils Wischmeyer, Köln

Spesenabrechnungen sind für die meisten Menschen eine Qual, für Unternehmen meist bürokratisch, und am Ende ist niemand glücklich. Darauf setzt zumindest das dänische Fintech Pleo, das mit einer intelligenten Firmenkarte und Buchhaltungssoftware als Lösung wirbt. Nutzer sollen mit der Bankkarte bezahlen und dann in einer App den Beleg abfotografieren - um den Rest, so sagt das Start-up, kümmert sich dann die Software.

Mehr als 17 000 Kunden zählt Pleo aktuell. Nun konnte das Fintech mit dieser Idee auch Investoren überzeugen und insgesamt 150 Million US-Dollar (127 Millionen Euro) einsammeln, wie die Süddeutsche Zeitung vorab erfuhr. Die Bewertung des Fintechs steigt nach eigenen Angaben auf insgesamt 1,7 Milliarden US-Dollar (1,43 Milliarden Euro) an. Damit kann sich Pleo künftig als Unicorn, also Einhorn, bezeichnen. So nennt die Start-up- und Investorenszene junge Firmen, die eine Bewertung von einer Milliarde Dollar oder Euro überschreiten. In Deutschland gelten beispielsweise die Smartphonebank N26, der Vermögensverwalter Scalable Capital oder das Versicherungs-Start-up Wefox als Einhorn.

Pleo ist eigenen Angaben zufolge die erste dänische Firma, die in dieser Finanzierungsphase zum Milliarden-Unternehmen aufsteigt. Geld für diesen Aufstieg kam von den US-Investmentgrößen Thrive Capital und Bain Capital Ventures, die die Finanzierungsrunde angeführt haben. Das insgesamt investierte Fremdkapital liegt bei fast 230 Millionen US-Dollar (193 Millionen Euro).

Der Standort in Berlin soll ausgebaut werden

Deutschland gilt als Schlüsselmarkt für die Dänen. In Berlin ist Pleo bereits seit 2019 vertreten und will dem Standort in der weiteren Expansion eine besondere Position einräumen. Von den 330 Mitarbeitern arbeiten bereits bis zu 40 in Berlin, künftig sollen es doppelt so viele werden.

Hierzulande ist das Start-up vor allem Dienstleister für andere Start-ups sowie kleine und mittelständische Unternehmen, wovon es aktuell 1600 als Kunden zählt, 200 kommen aktuell jeden Monat dazu. Die App hat zudem mehrere Besonderheiten für den deutschen Markt, beispielsweise die Einbeziehung der Kilometerpauschale.

"Deutschland ist der zweitwichtigste Markt nach Großbritannien, und aktuell kommen 25 Prozent unseres Neugeschäfts aus Deutschland", sagt Jeppe Rindom, Mitbegründer und CEO bei Pleo der SZ. Er hatte 2015 gemeinsam mit Niccolo Perra Pleo gegründet. Bereits vorher waren beide in der Start-up-Welt unterwegs und Mitarbeiter des Start-ups Tradeshift, einem sozialen Netzwerk für Unternehmen.

Künftig will Pleo neben den sechs Ländern, in denen es bereits aktiv ist, auch in weitere europäische Staaten expandieren. In die USA oder auch an die Börse strebt es aber kurzfristig nicht. "Wir wollen erstmal gewinnen, wo wir sind", sagt Mitgründer Jeppe Rindom. Mittelfristig will er eine Expansion auf einen anderen Kontinent und auch einen Börsengang nicht ausschließen.

© SZ
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