Private Krankenversicherung:Sozialtarif wird teurer

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Der Standardtarif in der privaten Krankenversicherung steht Versicherten offen, die sich die Beiträge in der privaten Vollversicherung nicht mehr leisten können. Jetzt wird der Sozialtarif drastisch teurer. Pro Jahr steigen die Beiträge aber weniger als bei den gesetzlichen Krankenkassen, sagen die Privaten.

Von Ilse Schlingensiepen, Köln

Schlechte Nachrichten für fast 48 000 privat Krankenversicherte: Sie müssen vom 1. Juli 2021 an im Schnitt 13 Prozent höhere Beiträge bezahlen. Betroffen sind die Versicherten im Standardtarif. Für sie ist die Beitragsanpassung besonders schmerzhaft, denn sie sind in diesem Tarif, weil sie sich die Beiträge in ihrer ursprünglichen Vollversicherung nicht mehr leisten konnten.

Der Standardtarif ist einer der Sozialtarife in der privaten Krankenversicherung (PKV). Er steht nur Versicherten offen, die vor dem 1. Januar 2009 in die PKV gegangen sind und bestimmte Vorbedingungen erfüllen. Dazu zählt, dass sie mindestens 65 Jahre alt sind oder mindestens 55 Jahre, wenn sie mit dem Einkommen unter der Beitragsbemessungsgrenze liegen. Das sind in diesem Jahr 58 050 Euro.

Der Standardtarif wird nicht von den einzelnen Unternehmen kalkuliert, sondern vom PKV-Verband. Der Leistungsumfang entspricht im Wesentlichen dem der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die Beiträge sind auf den GKV-Höchstbeitrag begrenzt, das sind zurzeit 706,28 Euro im Monat. Meist liegen sie aber deutlich darunter, weil die Kunden früher Alterungsrückstellungen angespart haben, um Prämienanstiege im Alter abzufedern.

Nach Angaben des PKV-Verbands beträgt der durchschnittliche Beitrag ab dem 1. Juli 390 Euro - bei langer Vorversicherungszeit kann es viel weniger sein, bei kurzer aber auch viel mehr. Für das gesamte Jahr 2021 ergibt sich ein durchschnittlicher Beitrag von 360 Euro. 2020 waren es 318 Euro, die Steigerung beträgt stolze 13,2 Prozent. Bei den Frauen hat es nach Angaben des PKV-Verbands fünf Jahre lang keine Beitragsanpassung gegeben, bei den Männern drei Jahre. Der jetzige Beitragssprung hat mehrere Gründe: die besonderen Kalkulationsvorschriften in der PKV, die steigenden Gesundheitskosten und die dauerhaften Niedrigzinsen.

Der Verband weist auch darauf hin, dass die Beiträge im Standardtarif in den vergangenen zehn Jahren mit 2,1 Prozent pro Jahr langsamer gestiegen sind als die GKV-Beiträge mit 3,3 Prozent. Die aktuelle Erhöhung zum 1. Juli ist dabei eingerechnet.

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