Pflegeversicherung:Die meisten haben wenig Ahnung

Die Pflege im Alter kann teuer werden. Was genau auf sie zukommt und wie sie abgesichert sind, wissen längst nicht alle. Und das Interesse an Zusatzversicherungen bleibt gering, beklagen die Versicherer.

Von Ilse Schlingensiepen, Köln

Über die Pflegeversicherung wird zwar viel geredet, genau Bescheid wissen die meisten aber dennoch nicht. Das betrifft vor allem den Umfang der Leistungen. So unterschätzen immer noch viele, dass die Unterbringung in einem Pflegeheim für sie trotz der Versicherung richtig teuer werden kann.

Das zeigt eine aktuelle Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa-Consulere aus Erfurt unter 2052 Personen über 18 Jahren. In Auftrag gegeben hatte sie der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV).

Danach ist nur 57 Prozent der Befragten bewusst, dass Pflegeheim-Bewohner im Moment mehr als 2000 Euro aus eigener Tasche bezahlen müssen. 20 Prozent wissen das nicht, der Rest ist sich unsicher oder macht keine Angaben. Dabei gibt es deutliche Altersunterschiede. Je jünger die Menschen sind, desto weniger wissen sie in dieser Frage Bescheid. So ist die hohe Kostenbelastung nur 41 Prozent der 18- bis 29-Jährigen bewusst.

Dass die privaten Krankenversicherer eine solche Umfrage in Auftrag geben, ist kein Zufall. Sie verkaufen Pflege-Zusatzpolicen, und zwar nicht nur für gesetzlich Krankenversicherte, sondern auch für Privatpatienten. Denn anders als in der Krankenversicherung ist der Leistungsumfang in der Pflegeversicherung für alle gleich. Wer mehr Schutz möchte, muss zukaufen.

Nur etwa fünf Prozent der Bevölkerung hatte Ende 2020 eine Pflegezusatzversicherung

Seit Langem hofft die PKV-Branche deshalb auf steigende Absatzzahlen. Der große Boom ist aber ausgeblieben. Ende 2020 waren gerade einmal 3,8 Millionen Pflegezusatzversicherungen im Bestand der PKV-Unternehmen. Das entspricht einem Anteil von fünf Prozent der Bevölkerung. Umso erstaunlicher ist es, dass in der Umfrage 14 Prozent angeben, sie hätten eine Pflegezusatzversicherung, mit denen die Leistungen der Pflegeversicherung aufgestockt werden.

Enttäuschendes Ergebnis aus Sicht der PKV: An dem schleppenden Geschäft scheint sich in naher Zukunft nicht viel zu ändern. Lediglich fünf Prozent haben vor, demnächst eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen, für 79 Prozent ist das kein Thema. PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther sieht die Politik in der Pflicht. "Die Bereitschaft der Menschen, für den eigenen Pflegefall besser vorzusorgen, ist durch die jüngsten Pflegereformen offenbar nicht gestärkt worden", sagte er. In der nächsten Legislaturperiode müssten neue Initiativen gestartet werden.

© SZ
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