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Pakete zu Weihnachten:Fotografiert und durchleuchtet

Achtung, Paketwelle: Am heftigsten ist immer der Donnerstag vor Weihnachten. Ein Besuch im DPD-Depot Melle bei Osnabrück.

So ein Paket ist flott unterwegs hier in Melle östlich von Osnabrück. Am Ortsrand durchquert es die Halle des DPD in anderthalb bis dreieinhalb Minuten. Es rollt erst langsam auf einem Transportband vom Lkw in die Halle, wird unter einem Scanner aus fünf Richtungen fotografiert und beschleunigt dann auf 2,5 Meter pro Sekunde. Es wird dann von der großen feuerroten Maschine, um die das ganze Gebäude herum gebaut worden ist, auf eine von vier Sortierebenen verschickt.Dort wird es in voller Fahrt ausgerichtet, ebenso wie alle anderen Pakete.

DPD Bildmotiv Expressscanstation

Obwohl bei DPD fast alles automatisch abläuft, werden noch etliche Mitarbeiter benötigt. Sie erneuern Etiketten oder bugsieren sperrige Kartons durch die Halle.

(Foto: obs)

Es wirkt alles ein wenig wie bei einer Modelleisenbahn, sagt Volker Scholz, 45, der Leiter des DPD-Depots 149. Mehr als 100.000 Pakete können in dieser Halle am Tag sortiert werden. Der U-förmig gebaute Betrieb startete 2007 als eines der leistungsfähigsten Paketverteilzentren Europas. Es gibt 30 Entladetore an der schmalen Stirnseite und 101 Verladetore an den beiden langen Flügeln. Auf ihrem kurzen Weg durch Melle fotografiert der DPD seine Pakete zehn- bis fünfzehnmal. Das war schon immer so, lange vor den Terrorsendungen der jüngsten Zeit. Seit etwa fünf Jahren gibt es EDV-Systeme, die mit den dabei anfallenden riesigen Datenmengen klarkommen.

Die Ladungen im Fernverkehr werden in verplombten Behältern übergeben an denjenigen, der die weitere Beförderung und damit auch die Haftung für das Paket übernimmt. "Alle Pakete, die die EU verlassen, werden geröngt, um zu sehen, ob etwas Auffälliges drin ist", sagt DPD-Chef Arnold Schroven. "Wir kennen ganz klar den Lebenslauf jedes Paketes und stellen den auch jedem Kunden zur Verfügung."

Der Niedersachse Schroven, 55, ist seit 18 Jahren dabei und hat eine in der Logistik ungewöhnliche Laufbahn hinter sich. Als Diplom-Mathematiker war er zunächst für die EDV zuständig, nach zwei Jahren dann für das ganze Unternehmen. Der DPD Deutsche Paketdienst war damals noch ein Zusammenschluss von mittelständischen Spediteuren. Die meisten von ihnen verkauften vor neun Jahren an die französische Post. Heute heißt die Firma DPD Dynamic Parcel Distribution GmbH & Co. KG. Sie hat ihren Hauptsitz in Aschaffenburg. An mehr als 800 Standorten in mehr als 40 Ländern sind 24.000 Mitarbeiter und 18.000 Fahrzeuge im Einsatz. Davon arbeiten 7500 Beschäftigte in Deutschland in 75 Depots, von denen das in Melle am größten ist. DPD sieht sich hierzulande als der führende Transporteur bei den Standardpaketen für Geschäftskunden.

Der DPD setzt dabei anders als etliche Wettbewerber auf ein Netzwerk, in dem möglichst viele Depots direkt verbunden werden und kein zentraler Stern zum Umladen angesteuert wird. Die 101 Ausgangstore in Melle stehen für solche Direktverkehre mit Lastwagen. Diese dezentrale Struktur, der Transport auf der Straße und große Paketmengen ermöglichen eine kostengünstige Steuerung sich schnell verändernder Paketströme, erläutert der DPD sein bodennahes System. Bei dem wird "auf den Einsatz von emissionsintensiven Flugzeugen in Europa weitestgehend verzichtet". Die Begründung: "Der innereuropäische Lufttransport eines Paketes verursacht achtmal mehr Kohlendioxid als auf der Straße und fünfmal höhere Kosten."

Angesichts dieser Vorteile sei die etwas längere Laufzeit für viele Geschäftskunden kein Problem. Im Gegenteil, findet Schroven: "Etwas Entschleunigung wäre nicht schlecht. Es ließe sich einiges an Verkehr vermeiden, wenn man etwas Geschwindigkeit aus dem Transport herausnehmen würde. Nicht jedes Paket muss unbedingt am nächsten Werktag beim Empfänger sein."Der Mann, dessen Lkw in Europa allein bei den täglich 500 grenzüberschreitenden Diensten 235.000 Kilometer zurücklegen, ist mit dem Zustand vieler Straßen unzufrieden. Er testet seit kurzem eine Bahnverbindung als Alternative zwischen Hamburg und Nürnberg.

Für 2011 hat sich der DPD-Chef einiges vorgenommen: Das Unternehmen soll schneller als der Markt wachsen, für den man mit zwei Prozent Plus rechnet, und es soll sich dabei um ein profitables Wachstum handeln. "Es ist unser Anspruch, in Europa flächendeckend der beste Straßendienst-Paket-Dienstleister zu sein." In jedem Land soll DPD zu den Top drei gehören, auch in Südosteuropa, wo der B2B-Spezialist gerade erst anfängt. Das ist ein anspruchsvolles Ziel angesichts von gleich sechs großen Wettbewerbern bei den Kurier-, Express- und Paketdiensten: DHL, Fedex, GLS, Hermes, TNT und UPS.

Die Grausamkeit der Pakete

Schroven will im kommenden Jahr in Deutschland 80 Millionen Euro investieren. Ein Zehntel geht in die Informationstechnologie, der größte Teil in drei neue Knotenpunkte von der Größe des Depots in Melle.

"Alles muss sortierbar sein", sagt Volker Scholz, der Chef des Drehkreuzes bei Osnabrück. Obwohl so vieles automatisch abläuft, arbeiten dennoch im Depot 149 bis zu 140 Leute an den roten Bändern. Wenn ein Paket Glück hat, rutscht es gleich bei der Eingangskontrolle aus dem gleichförmigen Strom auf die unterste schiefe Ebene und wird dann individuell behandelt: Mitarbeiter erneuern Etiketten oder bugsieren sperrige Kartons durch die Halle, die von der großen Maschine abgewiesen werden. "Ganz groß oder sehr schwer, das sind die grausamen Pakete."

Es sind nur wenige ausgesonderte Sendungen, aber doch eine ganze Menge vor allem in der Weihnachtszeit, wenn eine Paketlawine das Depot Melle überschwemmt. Am heftigsten ist immer der Donnerstag vor Weihnachten, das lehrt die Erfahrung. Für eine Weihnachtsfeier haben die DPD-Leute im Dezember keine Zeit. Die holen sie Mitte Januar nach.

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