Pakete:Wenn der Zusteller nicht mehr klingelt

Pakete: Paketboten haben es einfacher, wenn sie eine Abstellerlaubnis haben.

Paketboten haben es einfacher, wenn sie eine Abstellerlaubnis haben.

(Foto: Michael Gstettenbauer/imago images)

Immer mehr Empfänger geben Paketdiensten die Erlaubnis, eine Sendung abzustellen. Davon profitieren beide Seiten, doch für Kunden gibt es auch einen Nachteil.

Paketboten legen ihre Sendungen in Deutschland immer häufiger vor der Haustür oder auch auf der Terrasse der Empfänger ab, damit diese nach ihrer Rückkehr darauf zugreifen können. Von DPD heißt es, dass die Anzahl entsprechender digitaler Einwilligungen mit der Corona-Pandemie sprunghaft angestiegen sei, von 2019 bis 2022 habe sich die Zahl verdoppelt. Bei GLS waren es 2020 monatlich 220 000 erteilte Abstellgenehmigungen, inzwischen liegt der Wert bei bis zu 550 000. Eine Hermes-Sprecherin berichtet von einer sechsstelligen Anzahl von Kundinnen und Kunden, die pro Tag diese Funktion nutzen. "Für immer mehr Sendungen wird ein Ablageort gebucht." Man rechne hierbei mit weiterem Wachstum. Der Marktführer DHL legt jeden Monat 40 Millionen Sendungen ab, Tendenz steigend.

"In Coronazeiten erteilten uns viele Menschen eine Abstellgenehmigung, um das Ansteckungsrisiko möglichst gering zu halten", sagt Michael Knaupe von DPD Deutschland. Die Verbraucher hätten sich daran gewöhnt und gute Erfahrungen damit gemacht. Bei dem Service willigen Empfänger vor der Zustellung ein, dass das Paket vor der Tür, auf der Terrasse oder in der Garage deponiert wird. Für die Firmen ist das gut, weil das ihren Zustellern Zeit spart. "Durch die Abstellgenehmigung hat sich die Stoppzeit einer normalen Zustellung eines Pakets vom Parken bis zur Abfahrt deutlich verringert", sagt der Leiter des Bereichs Customer Experience bei DPD Deutschland.

Aus Sicht des Frankfurter Logistik-Professors Kai-Oliver Schocke unterstützt die steigende Anzahl von Genehmigungen die Branche, die wegen des boomenden Online-Handels immer mehr Sendungen bekommt und zugleich händeringend nach Fachkräften sucht. "Damit wird die Produktivität der Dienstleister wesentlich gesteigert, schließlich müssen ihre Paketboten nicht mehr darauf warten, bis endlich mal jemand die Tür aufmacht." Die Wartezeit der Paketboten sei für die Firmen mit hohen Kosten verbunden, die nun gesenkt werden können.

Wenn ein Kunde nicht zu Hause ist, hat er die Wahl zwischen mehreren Optionen. So kann er angeben, dass der Bote das Paket bei einem Paketshop, bei einem Nachbarn, an einem anderen Tag oder an einem Ablageort hinterlegen soll. Bei DHL kommt noch die Packstation hinzu, wo der Kunde später rund um die Uhr Zugriff hat. DHL bietet nun auch an, dass Verbraucher ein Paket - etwa eine Retoure - vor ihre Tür legen und der Paketbote dieses dann mitnimmt, wenn der Verbraucher gar nicht daheim ist. Die Konkurrenz macht das nicht.

Empfänger konnten schon früher Formulare an die Tür oder das Klingelschild hängen und damit ihre Einwilligung zur Ablage erteilen. Mit dem Digitalzeitalter wurde diese Funktion zu einem Massenphänomen, das von beidseitigem Nutzen ist. Die Paketdienstleister sparen Zeit, und die Kunden finden ihre Sendung vor, wenn sie nach Hause kommen.

Überall ist die Ablage allerdings nicht sinnvoll. So sagt eine Hermes-Sprecherin, dass es sich um einen frei zugänglichen, sicheren und wettergeschützten Platz handeln sollte. Treppenhäuser beispielsweise seien nicht zu empfehlen, da hier verschiedene Personen Zugang haben. Sollte die Sendung gestohlen oder beschädigt werden, während sie unbeaufsichtigt am Ablageort liegt, ist die Paketfirma raus aus der Haftung. Der Verbraucher trägt also ein gewisses Risiko, wenn er in den Service einwilligt. Nach Angaben verschiedener Paketfirmen kommt es aber nur in Einzelfällen vor, dass Kunden sich melden, weil das Paket nicht auffindbar sei.

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